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Gipfelsturm auf die Glessener Höhe

Beim Abstieg von der Glessener Höhe öffnet sich der Blick am Waldrand nach Brauweiler

Dieser Beitrag stammt von einem neuen Autor.

Liebe Leser, dieser Post ist der zweite, der nicht von mir, sondern von einem anderen Autor geschrieben wurde. Den ersten schrieb mein Bruder Norbert über eine Wanderung, die wir eigentlich zusammen unternehmen wollten, bei der ich aber wegen Unpässlichkeit absagen musste. Den Beitrag musste ich leider offline nehmen, da die Bilder beim Umzug der Website zu einem neuen Hoster verloren gingen.

Nun also abermals ein neuer Autor: Peter Schweers. Er hat sich irgendwann Anfang des Jahres mein Buch Guten Morgen! Zwölf Touren in der Frühe, gekauft und berichtet mir jedesmal lebhaft von seinen Erlebnissen. Da mich sein Begeisterung jedesmal ansteckt, habe ich ihn gefragt, ob er nicht auch über eine seiner Touren hier berichten will. Und ja, er wollte. Hier folgt sein Bericht über seine erste Frühaufsteherwanderung – und zwar jene zum Gipfelkreuz auf der Glessener Höhe. Überlassen wir also ihm jetzt das Wort. Und die Fotos sind auch von ihm (bis auf zwei, die ich noch zugesteuert habe).

Dunkel, Nacht, Dämmerung, Frühaufsteher

Bei tiefer Dunkelheit ging es los. (Foto: Peter Schweers)

Wie ich die Glessener Höhe mit ihrem Gipfelkreuz bestieg

Es war Donnerstagfrüh, 2:30 Uhr. Ich wälzte mich im Bett von der einen auf die andere Seite. Es war viel zu warm zum schlafen – hatten wir jemals einen so tropischen Sommer? Gut dass ich noch Urlaub hatte und meine Arbeitskraft zur Zeit nicht benötigt wurde. Vielleicht würde ich ja doch noch einschlafen … Da hatte ich plötzlich DIE Idee: Seit Wochen plante ich eine Wanderung am frühen Morgen – warum eigentlich nicht heute? Im Frühjahr hatte ich mir ein Taschenbuch gekauft: »Guten Morgen! – Rund um Köln, 12 Touren in der Frühe«.

An dieser Stelle steht ein Bild mit dem Titel: Ein schönes Buch mit spannenden Wanderungen und wunderbaren Bildern

Ein schönes Buch mit spannenden Wanderungen und wunderbaren Bildern

Ungefähr die Hälfte dieser Routen hatte ich bereits erfolgreich abgeschlossen – bisher allerdings immer tagsüber, also nachmittags oder am frühen Abend. Aber schon lange hatte ich mir vorgenommen, wenigstens einmal eine Wanderung ganz früh am Morgen durchzuführen, eben genauso, wie es der Autor Hans-Joachim Schneider in seinem Buch geschildert und es dem Leser auch immer wieder in wundervollen, anschaulichen Worten geschildert hat.

Innerhalb von 20 Minuten hatte ich meinen Rucksack gepackt, mich angezogen und saß im Auto. Ab ging es in Richtung Frechen-Königsdorf, von wo aus die Tour auf die Glessener Höhe starten sollte. Mit Absicht hatte ich eine recht lange Wanderung gewählt – schließlich ging es so früh los, dass ich mir keine Gedanken darüber machen musste, wann ich wieder zu Hause sein würde. 18 Kilometer waren insgesamt zu bewältigen – die reine Gehzeit sollte ca. 4,5 Stunden betragen.

Gegen 3:30 Uhr ging es dann endlich richtig los mit der Wanderung. Ich parkte mein Auto auf einem der vielen markierten Stellplätze, die um diese Uhrzeit natürlich fast alle frei waren. Ich ging die Aachener Straße hinunter und durchquerte das Zentrum von Frechen-Königsdorf mit seinen Geschäften. Dies war ja quasi die Hauptschlagader des kleinen Stadtteils, die Straße und natürlich auch ein Großteil der Schaufenster waren entsprechend hell erleuchtet. Wie dunkel es zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch war, sollte ich schon wenig später erfahren.

Dunkel, Sonnenaufgang, Glessener Höhe, Himmel, Wald, Feld, Bäume

Unnötig zu sagen, dass man um diese frühe Uhrzeit noch alleine unterwegs ist (Foto: Peter Schweers)

Eigentlich unnötig zu erwähnen: Ich war allein – die Menschen lagen in ihren Betten und schliefen. Normalerweise würde ich das jetzt auch machen. Ein komisches, ungewohntes, aber auch irgendwie schönes Gefühl kam in mir auf.

Nach etwa 15 Minuten bog ich rechts in die Sebastianusstraße ab.  Vorbei also am ehemaligen Benediktinerinnen-Kloster … Aber was war das? Mitten auf der Straße lag ein wohl gerade erst umgestürzter Baum – ein Auto würde hier niemals passieren können. Gut, dass ich meines schon abgestellt hatte.

Weiter unten bog ich links auf die Waldstraße ab, die schließlich geradezu ruckartig in den Wald führte. Und augenblicklich wurde es STOCKFINSTER! Gut – ich war insofern vorbereitet, als dass ich meine Taschenlampe mitgenommen hatte (das hatte der Autor der Autor des Buches schließlich auch ausdrücklich empfohlen). Aber dass es so finsterste Nacht werden würde – das hätte ich so nicht erwartet. Zumal mein kleines Taschenlämpchen in dem riesigen Wald sowieso hoffnungslos überfordert war. Daran merkt man eben dass ich ein ANFÄNGER bin. Aber beim nächsten Mal …

Horizont, Sonnenaufgang, Glessener Höhe, Wolken, Himmel, Bäume

Im Lauf der Wanderung wurde es dann allmählich heller (Foto: Peter Schweers)

Ich tastete mich weiter vorwärts – kurz dachte ich auch daran, lieber doch abzuwarten bis es heller werden würde und erst dann meine Tour fortzusetzen. Nein – »das ist es ja gerade« – dachte ich mir. Ich möchte dieses Gefühl auskosten – ich möchte wissen, wie das ist, um 4 Uhr morgens durch einen stockfinsteren Wald mit einer viel zu kleinen Taschenlampe zu laufen. Ich hatte Ehrfurcht, große Ehrfurcht und hoffte einfach, dass wenigstens die Batterien durchhalten mögen. Ab und zu drangen Geräusche an mein Ohr, die zweifelsfrei aus dem tiefen Wald kamen. Das alles beunruhigte mich ein wenig – aber gleichzeitig war es auch eindeutig abenteuerlich und aufregend.

Wie ich so weiterging, musste ich daran denken was ich im Wanderbuch gelesen hatte: »… Sie passieren Feuchtbiotope, Reste einer ehemaligen Quelle, …«. Aber ich sah mit meinem üppig dimensionierten Scheinwerfer (den ich jetzt schon heiß und innig liebte) gerade mal die Umrisse des Weges vor mir – ansonsten  NICHTS!

Endlich war ich an dem Asphaltsträßchen angelangt. HURRA – ein Zeichen von Zivilisation! Ich hörte – zum ersten Male seit ich losgegangen war – einen mir bekannten Vogelruf. Vielleicht ein Waldkauz?

Hier steht ein Bild mit dem Titel: So sieht die Glessener Höhe bei Tageslicht aus (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zum Vergleich: So sieht die Glessener Höhe bei Tageslicht aus (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ganz, ganz langsam wurde es ein wenig heller, was zweifelsfrei meine Stimmung entsprechend hob. Warum nur ist man so ängstlich in der Finsternis? Ist es das Ungewohnte? Ist es, weil man nicht sehen kann, was um einen herum passiert? Ich war jedenfalls froh, als ich bemerkte, dass der Tag auch wieder zu seinem Recht kommen wollte. Auch die Bewohner des Waldes schienen langsam zu erwachen. Es roch plötzlich intensiv nach Holz – der Wald strahlte eine Frische aus, wie ich sie noch niemals vorher erlebt hatte.

Seitdem ich losgewandert war, hatte ich noch keinen einzigen Menschen getroffen. Doch plötzlich – ich ging gerade auf einem gepflasterten Weg entlang (und ich befand mich immer noch mitten im Wald) – tauchte hinter mir ein Auto auf. Zunächst dachte ich, meine Augen würden mir einen Streich spielen, doch tatsächlich: es war ein PKW. Langsam fuhr er an mir vorbei und bog dann weiter hinten links ab.

Gerade erst hatte ich meine Ängste bezüglich des finsteren Waldes hinter mir gelassen, nun die nächste Überraschung, die mich einigermaßen irritiert zurückließ. Ein VW Golf um 5 Uhr morgens auf einem einsamen Waldweg? Komische Gedanken kamen mir in den Sinn: Hier draußen könnte jemand ein Gewaltverbrechen begehen und keiner würde es merken – hier hört dich keiner, egal wie laut du um Hilfe rufst. Ich zwang mich gerade dazu, wieder ein wenig ruhiger zu werden und nicht so ein Angsthase zu sein, da kam das Auto wieder zurück und mir fiel fast das Herz in die Hose. Ich hatte soeben eine Wegkreuzung überquert und hoffte nun, der Wagen würde mir nicht weiter folgen. Und tatsächlich bog er in die entgegengesetzte Richtung ab. Ich sah diesem VW Golf, den ich so schnell nicht vergessen werde, solange hinterher, bis irgendwann die Rückleuchten aus meinen Blickfeld verschwanden.

Nun, da ich gerade an diesem Erlebnisbericht schreibe, muss ich selber ein wenig schmunzeln, denn etwa 10 Minuten später kam ich an einen Treppenanstieg, der sogenannten »Himmelsleiter«, die hinab nach Dansweiler führt. Gerade eben hatte ich noch Angst gehabt, man könnte mich ausrauben und nun stand ich vor eben dieser »Himmelsleiter«.

Treppen, Natur, Holz, Anstieg, Glessener Höhe

Himmelsleiter, was für ein Name für diesen Anstieg auf die Glessener Höhe (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Es wurde zwar immer heller, jedoch war die Sonne immer noch nicht aufgegangen. Ich beeilte mich deshalb, um möglichst bald auf die Glessener Höhe zu kommen, um dort dieses einmalige Panorama in Ruhe genießen zu können. Den Wald hatte ich nun zunächst einmal hinter mir gelassen – es ging nun in erster Linie weiter über einige wirtschaftlich genutzte Felder und Ebenen. Viele dieser Felder wurden wohl erst vor kurzer Zeit gedüngt – und das wiederum war wohl auch der hautsächliche Grund dafür, dass ich in der folgenden Stunde von einer Anzahl lästigen und aggressiven Bremsen heimgesucht wurde. Mein Tipp an all jene, die diese Route im Hochsommer nachwandern möchten: Bitte vorher darauf einstellen und die Haut mit entsprechenden Mitteln einreiben.

Nun hatte ich gleich zwei Probleme: Einerseits die lästigen Angreifer loswerden und außerdem nicht den Sonnenaufgang verpassen. Dass die Sonne bald aufgehen würde, konnte ich auch an den vielen Vogelstimmen ablesen, die mich von  nun an plötzlich lautstark begleiteten. Doch es kam so, wie es dann meistens kommt, wenn man es eilig hat: Zum ersten und einzigen Male während der gesamten Wanderung nahm ich einen falschen Weg.

Sonnenaufgang, Felder, Acker, Horizont

Das Umfeld der Glessener Höhe ist landwirtschaftlich genutzt. Das führt schon mal zu unangenehmen Begegnungen (Foto: Peter Schweers)

Auf Seite 54 schreibt Joachim, dass sich ein keilförmiges Waldstück zwischen Weg und offenen Feldflur schieben wurde. Kurz danach ist auch die Rede davon, dass es dann nach rechts geht. Richtig ist: Sobald Sie auf dem Keil zugehen, bitte zunächst links bleiben und nicht rechts abbiegen. Erst danach geht es rechts ab und dann ist auch schon auf der rechten Seite der Treppenaufgang zu sehen, der auf den Gipfel der Glessener Höhe führt (»Himmelsleiter 2«).

Etwas verspätet also kam ich oben auf dem Gipfel an – die Sonne war gerade erst vor wenigen Minuten aufgegangen. Dennoch konnte ich den Sonnenaufgang beobachten, denn mein Glück war, dass ich auch »von dem falschen Weg aus« freie Sicht zum Horizont hatte. Wenn nur diese ekligen und hartnäckigen Bremsen nicht gewesen wären. Die ließen mir fast keine Zeit zum Fotografieren und schon gar nicht zum Genießen.

Gipfel, Glessener Höhe, Gipfelkreuz, Sonnenaufgang

Vom Gipelkreuz bietet sich ein wunderbarer Blick bis hinüber nach Köln (Foto: Peter Schweers)

Der Blick von der Glessener Höhe hinunter auf die Skyline von Köln ist etwas ganz Besonderes. Auch mit bloßen Auge (also ohne Fernglas) kann man sehr viel erkennen: Der Colonius (Kölner Funkturm) kommt einem besonders hoch vor – der Kölner Dom wirkt hingegen sehr klein. Das Gipfelbuch übrigens, welches auch im Buch erwähnt wird, ist leider nicht mehr da. Das gleiche hatte ich auch schon einmal bei einer anderen Wanderung – sehr schade! Und: Nun – gerade hier oben eingetroffen am Gipfel – treffe ich auch einen weiteren Frühaufsteher, der die Glessener Höhe erklimmt: eine junge Frau. Wir wünschten uns einen »Guten Morgen«. Passt ja irgendwie …

Grün, Gesträuch, Gipfelkreuz, Glessener Höhe, Wolken, Himmel

Leider ist das Gipfelbuch abhanden gekommen (Foto: Peter Schweers)

Ab nun geht es wieder abwärts, es ist jetzt richtig hell und man merkt jetzt auch dass es wärmer wird. Gegen halb acht kommen mir weitere Menschen entgegen: Eine Joggerin, zwei Spaziergänger und mehrere Radfahrer. Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon seit vier Stunden unterwegs – und was ich währenddessen so alles erlebt habe!!!

Sonnenaufgang, Frühaufsteher, Morgenrot, Blick nach Köln, Kölner Skyline

Der Blick hinüber nach Köln nimmt mich gefangen (Foto: Peter Schweers)

Worauf ich mich schon die ganze Zeit freue: Beim Bäcker Brötchen mitnehmen, nach Hause fahren und dann ganz in Ruhe frühstücken. Da kommt mir der Tipp von Joachim aus dem Buch gerade Recht: Klein’s Backstube, Aachener Straße 587. Von weitem ahne ich es schon: Jener ist jetzt im Rewe Markt – unter der gleichen Adresse zu finden. Die Brötchen, die ich dort kaufe, sind backfrisch und noch warm. Auf der Aachener Straße 550 befindet sich übrigens das »Cafehaus Heinemann« – eine schöne Alternative für ein üppiges Frühstück nach einer ereignisreichen Wanderung.

Horizont, Kraftwerk, Weitblick, HImmel, Glessen,

Bei Tageslicht ging es dann zurück nach Frechen-Königsdorf. Nicht weit ab vom Weg befinden sich die Kraftwerksschlote von Oberaußem (Foto: Peter Schweers)

Vielen Dank, Joachim Schneider, für diesen Wander-Tipp. Ohne dich hätte ich das alles nicht erlebt!

Sonne, HImmel, Acker, Feld, Weg, Wald

Am Ende wird es dann ein ganz normaler Sommertag. Jetzt sind auch schon andere Wanderer auf dem Weg (Foto: Peter Schweers)

Vielen Dank, lieber Peter, für diese sehr anschauliche Schilderung. Ich war beim Lesen auch direkt wieder mittendrin.

 

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