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Hamburg Altona – deine
Sehenswürdigkeiten

Schlepper am Kai auf der Elbe im Gegenlicht

Altona – Teil meines Lebens

Was macht man, wenn man zwischen einem Termin in Altona und dem Dienstbeginn in Othmarschen fast vier Stunden Zeit zum Vertrödeln hat? Ging mir gerade am vergangenen Montag so. Wie immer ungeplant. Nach dem Termin, der mich ein wenig nachdenklich zurückgelassen hat, finde ich mich im Mercado wieder – Hamburger wissen, was ich meine.

Aber ich kann nicht vier Stunden in Bäckerei-Cafés rumsitzen oder endlos meine Runden drehen. Nachdem ich meinen Hunger gestillt, mir verschiedene Bekleidungsshops von außen angesehen und vor der Eisdiele im ersten Stock gekniffen habe, fällt mir nicht mehr viel ein, wie ich meine Zeit noch weiter inhouse verbummeln könnte.

Warum nicht ein wenig Altona und seine Sehenswürdigkeiten erkunden?

Und zwar auf einer selbst erdachten Sightseeing-Runde. Vom Bahnhof Altona führt mich mein Weg zum Platz der Republik. Ich würde es lieber Park nennen, aber okay. Schon seit Langem frage ich mich, was es mit den beiden Centauren auf sich hat, die scheinbar um einen dicken Fisch rangeln. Ich werde meine kluge Katze fragen, die ja (fast) alles über Hamburg weiß.

Große Skulptur auf dem Platz der Republik, zwei Centauren streiten sich um einen großen gefangenen Fisch

Die Frage ist: Streiten sie um den Fisch oder halten sie ihn gemeinsam fest (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Am Rande des Platzes stoße ich auf das Altonaer Museum. Ich zögere und zaudere: Warum nicht mal reingehen? Aber dann reicht die Zeit vielleicht nicht. Ich bin ja gerade mal in eher gemächlichem Tempo unterwegs. Ich kann mich nicht entscheiden. Wenigstens fragen, was der Eintritt kostet, könnte ich. Tue es aber nicht.

Anschlagtafel mit historischen Informationen am Altonaer Rathaus

Kurz und knapp informiert diese Tafel am Altonaer Rathaus über dessen Geschichte – und ich erfahre, dass es mal ein Bahnhof war und zwar ein dänischer (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das Rathaus wollte ich mir immer schon mal von innen ansehen. Da hatte mir die Katze aber schon gesagt, dass es von außen imposanter aussieht als von innen. Trotzdem. Ich laufe durch alle Gänge, auch im ersten und zweiten Stock. Dabei stelle ich fest, dass hier Menschen sitzen, mit denen ich beruflich zu tun haben könnte. Keiner fragt mich, wohin ich will. Alle kümmern sich um ihren Kram. Fotografieren im Rathaus mag ich nicht, das Licht ist nicht gerade vorteilhaft. Auch der vor dem Rathaus residierende Kaiser Wilhelm II steht soweit über mir, dass es ihn schlichtweg nicht interessiert, ob ich ihn fotografiere.

Ich kreuze die Palmaille bzw. ihre Verlängerung, die Klopstockstraße, und stehe auf dem Altoaner Balkon, von wo ich die im diesigen Novemberlicht fast schattengleich wirkenden Ladekräne des Hafens bei ihrem gespenstischen Tun beobachte.

Blick auf die Elbe, das Dockland-Haus und die Kräne im Hintergrund

Nicht nur das an einen Schiffsbug erinnernde Dockland hat auffällige Architektur zu bieten (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Von hier müsste es doch möglich sein, immer ganz nahe zur Elbe nach Othmarschen zu spazieren. Ist es auch, wenn auch kleine Hindernisse im Weg sind. Das liegt daran, dass an mehreren Stellen die Kais ausgebessert werden. So komme ich immerhin dazu, auch mal die elbabgewandte Seite von Neumühlen kennenzulernen.

Moderne Bauten oberhalb des Fischmarktes

Was sollen diese Bauten darstellen? Ein wenig erinnern sie mich an U-Bahn-Wagen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dort begegne ich Straßenkunst, architektonisch überraschenden Bauwerken, die sicher mal modern waren. Hier in der Nähe des Fischmarktes haben sich Unternehmen angesiedelt, die sich selbst vermutlich als hip ansehen. Aber nichts ist schneller in Vergessenheit geraten, als das, was heute als angesagt gilt.

Ein mit bunten Linien verzierter Karton liegt auf der Mauerbrüstung

Kunst oder zufälliges Arrangement? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Weil die Sonne über dem jenseitigen Elbufer steht, ergeben sich zwischendurch überraschende Lichtspiele, wenn sie mal die Wolken durchdringt. Aber wie immer bei solch spannenden Lichtverhältnissen ist es schwer mit der Handykamera, das aufs Foto zu bannen, was man selbst im Moment sieht.

Durch die Säulen gesehen: Schlepper vor der Hafenkulisse

Freundlich meint es das Licht in diesem Moment mit mir (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich passiere das alte Speicherhaus, das heute ein Seniorenheim für gehobene Ansprüche beheimatet. Direkt dahinter steht der schönste Leuchtturm von Hamburg am Eingang zum Museumhafen. Die letzten Fotos, jetzt meldet sich schon wieder Hunger.

kleiner roter Leuchtturm vor der Hafenkulisse

Der alte Leuchtturm Pagensand-Süd wurde im Ruhestand in den Museumshafen verpflanzt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Von den ganzen Restaurants und Biergärten, die im Sommer hier nicht um Gäste buhlen müssen, hat heute nur das »Sutsche« geöffnet. Drei, vier Gäste verteilen sich auf der weitläufigen Terrasse. Aus dem Verkaufswagen dröhnt laut italienischer Schnulzenpop. Das erinnert mich an meine Toscana-Wanderungen, Anfang der 80er-Jahre. Damals hörte ich am liebsten Luigio Battisti, der genauso unbekümmert seine Liebesballaden hinausposaunte wie der moderne Romeo aus dem Radio hier im Sutsche.

Hafenbarkassen im dunklen Licht der Novembersonne

Hafenballett – die etwas plumpen Matronen der Hafenbarkassen hochmütig belächelt von den filigranen Hafenkränen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Endlich erscheint der Besitzer/Kellner/Koch oder was immer der gute Mann darstellt. Er ist natürlich Italiener, nicht Hamburger. Habe ich mir schon gedacht. Es gibt noch ein paar Verständigungsprobleme, dann hat er kapiert, dass ich ein Krabbenbrötchen haben möchte. Prompt taucht er ab in die Niederungen seiner improvisierten Küche. Ich habe Muße, deren Einrichtung zu bewundern. Ich frage mich, weshalb die Kühltruhe auf Stelzen steht? Na klar, wegen des möglichen Hochwassers. Nur, was macht der kleine Italiener, wenn das böse Wasser kommt?

Hinter dem Sutsche beginnt der Sandstrand. Die Strandperle hat zu, dort räumen zwei junge Männer auf. Nun noch hoch zum Weg mit den Kapitänshäusern, auf diesem noch ein Stück weiter, dann hinauf zur Elbchaussee. Gleich darauf habe ich diese überquert und bin 10 Minuten später in der Jugend-WG.

 

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