Fachsimpeln, Lahntal
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Die Hohenrheinbrücke bei Niederlahnstein

Ein rostiges Stahlfachwerk über einen Fluss, davor zwei Menschen, die sich das Wasser des Flusses anschauen

Überraschung! Heute mal kein Wanderbericht, sondern ich schreibe über eine Brücke, die mich bei einer meiner Wanderungen besonders beeindruckt hat. In nächster Zeit werde ich noch über weitere solche Brücken schreiben und dabei auf ihre Geschichte eingehen.

Im heutigen Beitrag widme ich mich der Hohensteinbrücke bei Niederlahnstein, an der vorbeikommt, wer eine Wanderung durch die wildromantische Rupertsklamm gemacht hat und zu Fuß nach Lahnstein läuft. Dieses Eisenbahnviadukt ist so unbedeutend, dass eine Googlesuche kein Ergebnis bringt, jedenfalls nicht auf den ersten Seiten.

Das rostige Gerüst einer Eisenbahnbruecke, der sogenannten Hohenrheinbrücke, über einen Fluss, im Vordergrund eine Straße, über allem blauer HImmel.

Gut zu erkennen ist, wie die Hohenrheinbrücke die Lahn nicht auf kürzester Strecke überquert, sondern in einem spitzen Winkel (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auch wenn der Name Hohenrheinbrücke uns glauben macht, dass die Brücke über den Rhein führt, befindet sich dieses alte Eisenbahnviadukt einige Kilometer vom größten deutschen Strom entfernt im Lahntal. Es hat seinen Namen nach der alten Lahnsteiner Gemarkung Hohenrhein. 

In einem der schönsten deutschen Flusstäler verkehren auf der Lahntalstrecke zwischen Lahnstein und Diez Züge der Deutschen Bahn, aber auch solche regionaler Betreiber. Zwischen Niederlahnstein und dem alten Kaiserbad Bad Ems queren die Züge die Lahn über das alte Hohenrheinviadukt. Bei Friedrichssegen macht die Lahn einen weiten Bogen, dem die Bahnlinie weitgehend folgt, bis sie eben auf Höhe des alten Wasserverladepunktes Hohenstein den Fluss quert, kurz bevor sie nach Lahnstein hineinführt.

Die Eisenbahnbrücke überquert an dieser Stelle nicht nur die Lahn, sondern auch die K62, die alte Lahntalstraße, sowie den Lahntalfernradweg, die sich hier unmittelbar nebeneinander ins enge Tal quetschen. Die Bahnstrecke verläuft dann ein kurzes Stück parallel zur Bundesstraße 260. 

unten eine Straße begrenzt von grünem Gebüsch, darüber die Eisenkonstruktion einer alten Eisenbahnbrücke, die Hohenrheinbrücke bei Niederlahnstein

Gut nachzuvollziehen ist hier die Höhe der Brücke über der Straße. Von Weitem sieht es niedriger aus (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wer sich von der Bundesstraße kommend auf der K62 der Brücke nähert, zieht unwillkürlich den Kopf ein, so niedrig scheint sie über die Straße zu führen. Das aber täuscht, da das Sträßchen hier durch eine Senke führt, die unter der Brücke ihren tiefsten Punkt findet. Die Durchfahrtshöhe ist immerhin mit 3,65 m angegeben.

Das rostige Eisengerüst eines alten Bahnviadukts rahmt eine eingleisige Bahnstrecke ein.

Über das alte Hohenrhein-Viadukt führt nur eine eingleisige Spur (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das eingleisige Bahnviadukt (die Lahntalstrecke ist ansonsten zweigleisig ausgebaut, anders wäre der rege Verkehr gar nicht zu bewältigen), dem man sein Alter durchaus ansieht, führt im spitzen Winkel über den Fluss. Die alte Stahlfachwerkkonstruktion mit aufgeständerten Trägern weist 26 Gefache auf mit einer Länge von jeweils 6 m. Das ergibt eine Gesamtbrückenlänge von über 150 m. Das erste Gefach auf jeder Brückenseite ist dabei nur halb ausgeführt, d.h. es ist nur jeweils auf einer Seite  hochgeführt und mit einem Querträger mit dem ersten beidseitig ausgeführten Gefach verbunden. Die einzelnen Gefache haben eine Höhe von 12 m.  

Zu beiden Seiten des Flusses ruht die Brücke auf Rollenlagern, während sie auf einem zentralen Flusspfeiler, der von einer beeindruckenden Mächtigkeit ist, fest fixiert ist. Der Pfeiler steht aus strömungstechnischen Gründen senkrecht zur Fließrichtung der Lahn, während die Brücke selbst im spitzen Winkel den Fluss kreuzt. Die beiden Rollenlager auf der Seite der K62 kann man am Brückenkopf bewundern.

schwere eisenkonstruktion die mittig zylindrisch zuläuft, sich nach unten wieder weitet und dort das Gewicht auf vier Räder überträgt.

Diese Rollenlager fangen die Schwingungen des Brückenkörpers auf, wenn ein Zug über die Hohenrheinbrücke fährt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wer Lust auf eine knifflige Aufgabe hat und etwas Zeit mitbringt, kann sich einmal die Mühe machen, die beim Bau des Fachwerkes verbauten Stahlschrauben zu zählen bzw. hochzurechnen. Man kommt auf eine Zahl von über 40 000. Daneben gibt es noch eine stolze Reihe von Nietenverbindungen, bei denen aber nicht annähernd die gleiche Zahl erreicht wird.

Ein verrostetes Schild mit Angaben zum Hersteller, zum Baujahr und zu anderen Details der Brücke

Am Fuß der Brücke befindet sich diese Visitenkarte mit Angaben zum Anstrich (Foto: Hans-Joachim Schneider)

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