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Drei Tage im Wanderparadies – Tag 2

Die Fahne auf dem Paradiesfelsen, im Hintergrund ein Schwarzwaldhaus vor der grünen Silhouette eines mit Wald bestandenen Hügels

Tag 2 im Wanderparadies – auf dem Himmelssteig ins Paradies

Wir erinnern uns: An Tag 1 im Wanderparadies haben wir etwas über den Schöpfungmythos von Bad Peterstal-Griesbach erfahren. Gewandert sind wir auch ein bisschen, gegessen haben wir reichlich in einem himmlischen Restaurant, wo der Abend für mich an der Theke endete. Geschlafen habe ich wenig, denn die Nacht war so ruhig, dass ich ganz unruhig wurde. Aber das lag vermutlich mehr am Vollmond als an der Stille dieses Ortes. Und auch die unruhigste Nacht ist mal vorbei. Der nächste Morgen (also der von Tag 2) sieht mich wohlgelaunt am Frühstückstisch. Heute geht es dem Himmel entgegen – auf dem Himmelssteig.

Celine (zur Erinnerung: Wer durch den Hunsrück will, muss verteufelt gut fahren) holt mich pünktlich ab. Heute geht es erstmal zur Tourist Information von Bad Peterstal. Dort gibt es das Testcenter von Best of Wandern. Wer als Gast erst vor Ort die Lust aufs Wandern bekommt, kann sich hier probeweise für den ersten Wandertag Ausrüstung ausleihen. Das können Wanderstöcke sein, ein Rucksack oder vielleicht sogar ein Fernglas, aber auch Wanderschuhe. Das ist alles umsonst, die Ausleihdauer aber auf einen Tag begrenzt.

Grüne Wiesen, dunkel bewaldete Kuppen, blauer Himmel, im Vordergrund ein Schwimmbad, so fängt die Tour auf dem Himmelssteig an

Nicht weit vom Start- und Zielpunkt des Himmelssteigs befindet sich das örtliche Freibad – also nach der Wanderung rein ins kühle Nass (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Cheffe (Axel Singer) ist heute von Anfang an dabei. Er kutschiert uns persönlich zum Ausgangspunkt der Tour über den Himmelsteig. Das Portal zum Himmelssteig befindet sich oberhalb des Freibades. Ein verlockender Gedanke bei diesem schönen Wetter. Ein kurzes Stück am Waldrand entlang, dann geht es in den für den Schwarzwald so typischen hohen Nadelwald hinein. Das Sonnenlicht schafft in diesem reinen Nadelwald Momente schlichter grafischer Schönheit.

Der Moment für die Fotografen: Schlichte dunkle gerade Fichtenstämme, dazwischen das Licht der Morgensonne

Der Moment für die Fotografen: gerade dunkle Fichtenstämme – dazwischen die Lichtstrahlen der Morgensonne (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Natürlich geht es bergan. Wie sollte es auch anders sein? Wir wollen schließlich in den Himmel. Zumindest bis zur Himmelsbank. Die erreichen wir dann am Rand einer Wiesenfläche. Wie schon am Vortag lasse ich mich von den Panoramen mitreißen. Ich bin dankbar, dass ich im Sommer meine Augen-OPs hinter mich gebracht habe. Jetzt kann ich die Weite der Landschaft und die Schönheit der Natur ganz ohne Brille genießen.

Im Vordergrund die Hangwiese, dahinter Obst- und Waldbäume, ein Hochsitz, darüber blauer Himmel

Blick von der Himmelsbank, Zeit zu genießen, Zeit zu sich selbst zu finden (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die Himmelsbank am Rande der Lichtung ist ziemlich lang. Sie ist in in einem Stück aus dem Stamm einer Weißtanne geschnitten und bietet mindestens zwei Fußballmannschaften Platz. Aber die werden wohl eher nicht hierhinkommen. Ich kann nun nachvollziehen, weshalb ein Mann wie Axel Singer für diese Landschaft schwärmt.

Da wir nicht den ganzen Tag in den Himmel schauen wollen, müssen wir irgendwann weitergehen. Es geht gottseidank ein Stück bergab. Nicht weit von der Wiese entfernt stoßen wir auf den ersten von vielen Erfrischungsbrunnen. Aber gerade dieser hier ist mit ganz besonders viel Liebe zusammengestellt. Es gibt sowas wie ne Bar, Tische und Bänke, einen Lieblingsplatz und – ihr werdet es schon erraten: wieder ein ganz hervorragendes Panorama.

Getränkebrunnen am Himmelssteig. Aus rohen Holzlatten zusammengezimmert

Fast schon eine richtige Himmelssteigbar – die Erfrischungsstation kurz nach der Himmelsbank! Und was machen die da? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Immer noch geht es abwärts – am Waldrand entlag– , aber wer Wandererfahrung hat, weiß: Wo es abwärts geht, geht es meistens auch bald wieder bergauf. Der ausgewiesene Pfad verläuft direkt oberhalb des Weges – warum eigentlich? – dann kreuzt er ihn. Die nächste Tränke wartet, das nächste Panorama überrascht. Mindestens genauso vielfältig wie die Panoramen ist aber auch die Beschaffenheit der Wege: mal Naturpfad, mal Wiesenweg, dann wieder Steig, gleich darauf dann Waldweg.

Ein paar roh zusammengezimmerte Holztische, ebensolche Bänke und ein herrlicher Blick vom Himmelssteig auf das Schwarzwaldpanorama

Nebst Holzbar, Holztischen und ebensolchen Bänken bietet dieser Erfrischungsplatz am Himmelssteig ein weiteres atemberaubendes Panorama (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Noch immer geht es zu meiner Überraschung ein längeres im Wald Stück bergab. Das ist bei der mittlerweile herrschenden Hitze auch ganz gut. Mitte September gibt es hier sommerliche Temperaturen. Aber wollten wir nicht in den Himmel? Dafür kommen wir zunächst einmal ins Paradies. Das Paradies – ja, das gibt es noch, auch wenn ich in meinem Beitrag zum ersten Tag hier in Bad Peterstal-Griesbach behauptet habe, dass es umbenannt wurde.

Ein einzelner Felsbrocken, vielleicht fünf Meter hoch, erhebt sich über dem Himmelssteig

Das Paradies, das erreiche ich am Himmelssteig mit einem kleinen Aufstieg auf den Felskopf (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Da haben die hier dieses Fleckchen glatt vergessen. Das Paradies, das ist ein kleiner Fels am Wegrand. Ausreichend für ein kleines Zwei-Minuten-Kletterabenteuer, also ein ganz, ganz kleines. Obenauf das Gipfelkreuz, will sagen, ein Wimpel mit dem Namen des Felsen. Genau: Paradiesfelsen wird er genannt und weil ich mit meiner Klettereinlage andere animiert habe, es mir gleichzutun, muss ich den Gipfel räumen, damit es hier nicht so eng wird.

Zwei Wanderer sind oben auf dem Paradiesfelsen am Rande des Himmelssteigs zu erkennen.

Auch Jutta und Frank setzen zumindest einmal kurz den Fuß ins Paradies. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ein paar Schritte weiter, auf einem schmalen Steig bergab, dann die nächste Überraschung: der Holchenwasserfall. Gerade gibt er sich nicht so überschäumend, weil der Bach momentan wenig Wasser führt. Auch hier die selbstlose Getränkestation und außerdem ein Haufen fremder Menschen, d.h. eine ganze Wandergruppe hat sich bereits niedergelassen, als wir ankommen. Kleine Randbemerkung: Hier haben wir etwa die Hälfte der Strecke geschafft. Ein paar Fotos, dafür reicht die Zeit, aber unser Axel drängt weiter.

Kleine Kaskaden des Holchenwasserfalls, das Wasser rieselt wegen der Trockenheit der vergangenen Wochen eher spärlich über die Felsen

Der Holchenwasserfall am Himmelssteig führt zurzeit wenig Wasser; schuld ist die Hitzeperiode dieses Sommers (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Er steht schon wieder in den Startlöchern; ich reiße mich von der Szenerie los und beginne mit ihm den nächsten Anstieg im Vertrauen, dass die anderen noch folgen. Jutta und Frank tummeln sich noch im Paradies (will sagen auf dem gleichnamigen Felsen), Christiane widmet sich mit ihrem Fotoapparat ausgiebig dem Wasser. Es ist kurz nach Mittag, Zeit also, sich den körperlichen Bedürfnissen nach einer Mahlzeit zu widmen.

Schüssel mit Bierflaschen auf Eis. Ein erfrischendes Getränk nach einer anstrengenden Wanderung

Im Land, wo Milch und Honig, … äh Bier und Radler fließen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aber vor das Essen haben die Götter den Schweiß gesetzt, zumindest heute. Denn der Anstieg ab dem Wasserfall hat es in sich. Konsequent geht es auf schmalem Pfad bergauf. Immerhin 100 Höhenmeter auf kurze Distanz sind bis zum Himmelsfelsen zu überwinden. Aber wir ahnen es ja, sind wer erst oben, wartet eine Vesper auf uns.

Tisch mit Schinken und Bier, dahinter die grüne Schwarzwald-Szenerie mit Wald und blauem Himmel.

Fast wie Fernseh-Werbung sein – gedeckter Tisch am Himmelssteig mit rustikaler Vesper (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mit letzter Kraft erreiche ich den Rastplatz mit den beiden Sitzgruppen, wo Celine (ja, die aus dem Hunsrück) bereits den Tisch gedeckt hat. Und dann stellen wir fest, dass das Brot fehlt. Oh, wie sollen wir jetzt Wurst, Schinken und Käse essen? Aber da taucht Celine zwischen den Tannen auch schon wieder auf – mit den Brottüten. Tag gerettet – wir lassen es uns gutgehen.

Nach vollbrachter Tat helfen wir noch, die Reste unserer Vespermahlzeit bis zum Auto zu transportieren, dann geht es weiter, zunächst auf breitem Waldweg. Noch ein kurzer Anstieg, anschließend rechts hinunter in den Wald bis zu einer Fahrstraße. Da geht es ein weiteres Mal nach oben. vorbei an mit grünem Moos überzogenen Stützmauern.

grünbemooste Steinmauern mitten im Wald am Rande des Himmelssteigs

Grünbemooste Steinmauer mitten im Wald – Menschenwerk in Gottes grüner Natur (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Am Ende ein lämgeres Auf und Ab mit nicht allzu großen Herausforderungen an die Kondition – mal vorbei an Wiesen, dann stückweise wieder durch Wald – zurück zum Ausgangspunkt. Und wieder lockt das Freibad.

Weil wir so tapfer waren, gibt es als Belohnung eine Vorführung im Café Räpple: Wie backe ich mir eine Schwarzwälder Kirschtorte. Der liebe Gott (man erinnere sich an Tag 1) hat nämlich den Menschen hier auch das Rezept für die Wundertorte hinterlassen. Natürlich wäre ein Vorführung nichts ohne die zugehörige Verkostung. Wie es geschmeckt hat: himmlisch!

Schwarzwälder Kirschtorte, angeschnitten,

Zur Belohnung: Schwarzwälder Kirschtorte nach himmlischem Rezept (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aber damit noch nicht genug, noch steckt Tatendrang in uns, und deshalb beschließen wir diesen Wandertag mit – Wandern. Wir haben ja am Vortag den Wiesensteig nicht ganz geschafft. Und da wir das nicht auf uns sitzen lassen wollen, nehmen wir jetzt mit vollem Bauch die restlichen 3 Kilometer des Wiesensteigs inAngriff.

Blick vom Wiesensteig hinüber auf die dunkel bewaldeten Höhen oberhalb von Bad Peterstal-Griesbach

Auch das haben wir uns verdient: nach der Schwarzwälder Kirschtorte noch ein Stück Wiesensteig (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich hätte bestimmt die Finger davon gelassen, wenn ich gewusst hätte, dass das letzte Stück bedeutet, es geht fast nur bergauf. Die Sonne scheint, der Bauch ist voll, der Rucksack drückt. Aber nun gut, ich habe zugestimmt, also muss ich da jetzt durch. Schnell wird klar: Auch hier hat sich der gute alte Mann noch einmal was ganz Besonderes einfallen lassen.

große Felsbrocken mitten im Wald

Wie ein Spielplatz von Riesenkindern wirkt der Wald beiderseits des Wiesensteigs (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Links und rechts des Wiesensteigs wirkt die Landschaft wie ein Spielplatz von Riesenkindern – gerade so, als hätte sie hier mit großen Felsbrocken Murmeln gespielt. Üppig wuchert das Indische Springkraut. Schön sieht es aus mit seinen violetten Blüten, aber wo das Springkraut wächst, haben andere kleinere Pflanzen keine Chance mehr.

Als schmaler Pfad führt der Wiesensteig durch das üppig wuchernde Springkraut.

Mannshoch und teilweise noch höher wuchert das Indische Springkraut, schön anzusehen, aber tödlich für die heimische Flora (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und dann haben wir es tatsächlich geschafft. Der Himmelssteig endet – zumindest am heutigen Tag – genau an meiner Herberge. Zur Belohnung für alle gibt es eine Erfrischung auf der Terrasse meiner Home Base, also im Höhengasthaus Herbstwasen.

Breaking News

Ganz aktuelle Meldung, die mich gerade erreicht, als ich diesen Bericht schreibe: Der Himmelssteig ist mit 98 Punkten zum höchstbewerteten Premiumwanderweg ausgezeichnet worden. Hier ein Auszug aus der Mitteilung der Touristeninformation von Bad Peterstal-Griesbach:

Topmeldung für alle Wanderfreunde

Deutschlands Premium Wanderweg mit der höchsten Bewertung, mit 98 Erlebnispunkten, befindet sich seit heute im Premiumwanderort Bad Peterstal-Griesbach und heißt

– Himmelssteig –

Somit hat sich der Himmelssteig von bisher 94 auf nunmehr 98 Erlebnispunkte verbessert!

Was sagt der Prüfungsvorbericht:

Weg in sehr gutem Pflegezustand. Markierung und Wegweiser sind premium. Die neuen kleinen Standortkarten sind super. Km-angaben auf Wegweisern und Karte stimmten sehr genau mit der GPS-Aufnahme überein. Somit kommt der Weg jetzt auf 98 Erlebnispunkte!

Dies ist das Ergebnis einer Gemeinschaftsleistung unserer ehrenamtlichen Ranger, der Grundstückseigentümer mit ihren liebevoll gestalteten Getränkestationen, dem Gemeindeforst, der Gemeindeverwaltung und den Kollegen vom Bauhof sowie dem Team der Kur- und Tourismus GmbH.

Ich bedanke mich auch an  diesem zweiten Tag bei Verena von Best of Wandern, bei den Mitarbeitern des Tourismus-Büros Bad Peterstal-Griesbach (Axel, Maria, Celine, …) sowie bei allen Gastgebern, die uns eingeladen haben. Ganz sicher haben all diese netten Menschen mein Urteil beeinflusst.

Auch hier noch einmal der Hinweis, wer noch mit dabei war!

Die Wanderblogger-Truppe (Foto: Axel Singer)

Nämlich: Die im Text schon genannte Jutta von icheinfachunterwegs.de, Christiane und Aras von wegsite.net und Frank von little-disvoeries (https://www.littlediscoveries.net). Mein ganz besonderer Dank hier für diesen zweiten Tag geht an Café Räpple für die himmlische Schwarzwälder Kirschtorte und die Vorführung, wie sie hergestellt wird.

Was hab ich noch vergessen? Ach ja, selbstverständlich gibt es von den Bad Peterstalern auch eine Website extra für den Himmelssteig. Schau einfach mal hier: https://www.schwarzwälder-wandersinfonie.de/himmelssteig.html

 

1 Kommentare

  1. Leni sagt

    Wieder mal sehr schön Dein Bericht und die Fotos von Tag 2. Alleine schon über das leckere Essen, lach 😉 <3

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