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Drei Tage im Wanderparadies – Tag 3

Schwarzwaldsteig Wandern, alle Teilnehmer des Bloggerwanderns auf einem Foto

Der Peterstaler Schwarzwaldsteig

Ich bin eigentlich ein introvertierter Mensch. Will sagen, auch wenn ich unter Menschen bin, halte ich mich kommunikativ eher zurück, brauch meine Pausen, meine stillen Momente. Das ist bei einem Bloggerwochenende manchmal schwierig. Und nicht alle verstehen das. Man hält mich dann für einen Einzelgänger, für schlecht gelaunt oder schlimmstenfalls für überheblich.

In Bad Peterstal-Griesbach habe ich zwei Tage lang ganz vorne mitgemischt, habe unsere Wanderführer ausgehorcht, habe Kontakte geschlossen, habe mitdiskutiert. Und es kam, wie es kommen musste. Am dritten Tag fordert die Introversion ihr Recht. Ich bin also am Morgen einsilbig, froh, dass ich erstmal alleine frühstücken kann und noch keiner mit mir reden will.

Heute ist es nicht Celine, die mich abholt, sondern eine Kollegin von der Tourist-Information. Sie ist bemüht, mich schon auf der Fahrt zum Treffpunkt zu unterhalten. Auf dem Weg  ins Tal sieht sie an einer Scheune den »Herrgottschnitzer« des Ortes, der gerade mit seiner Motorsäge einen großen Vogel aus einem Holzstück herausschneidet. Sie will ihn mir vorstellen, er bekommt erst mal gar nicht mit, dass wir anhalten und aus dem Auto steigen. Erst als er sowieso eine Pause macht, blickt er auf und sieht uns. Meine Begleiterin führt das Gespräch, ich bin noch mundfaul bzw. ziemlich unvorbereitet.

Große aus einem Baumstamm mit der Motorsäge geschnitzte Bärenfigur am Wegrand und viele andere Motive schnitzen unser Holzkünstler

Adler, Bären, Holzfäller, Zwerge: Das Repertoire des Holzschnitzers ist schier unerschöpflich (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Bei der Weiterfahrt verweist sie mich auf das deutschlandweit letzte wasserangetriebene Sägewerk, das wir gleich passieren werden. Ich erzähle, dass ich als Jugendlicher einen Ferienjob in einem Sägewerk hatte, das bei uns in direkter Nachbarschaft lag. Allerdings war dieses nicht wassergetrieben.

Wir machen Station, um Christiane und Aras aufzunehmen.

Große Felsbrocken mitten im Bachlauf: Sie führen den Wanderer sicher über den ersten Abschnitt des Schwarzwaldsteigs.

Das ist also unser Wanderweg – mitten im Fluss (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dann geht es weiter zum Bahnhof, wo heute unser Treffpunkt ist, und wo auch gleich der Schwarzwaldsteig beginnt. Vom Sträßchen geht es rechts zum Bach hinunter, der gerade wenig Wasser führt. Auf mächtigen Felsbrocken hüpfen wir durch den Bach. Bei Hochwasser ist das wohl nicht möglich. Ein schöner Einstieg, aber gottseidank führt der Weg bald aus dem Bachlauf hinaus. Wenig später beginnt der erste (!) Anstieg. Es werden noch viele folgen.

Die Wanderung auf dem Schwarzwaldsteig beginnt im Flussbett der Rench. Über große Felsbrocken ist der Weg im Bachbett einfach zu gehen.

Ungewöhnlicher Anfang eines ungewöhnlich schönen Weges: Über Steine durch das Bett der Rench (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auf schmalem Weg geht es anfänglich gemächlich bergan, immer mit Blick auf das rechter Hand gelegene Städtchen. Schattige Waldpassagen wechseln ab mit Wegstrecken in der Sonne, die uns auch heute wieder verwöhnt.

Wanderweg Schwarzwaldsteig am offenen Hang, links sind die Gebäude von Bad Peterstal zu erkennen.

Mal durch Wald, dann wieder offen durch die Sonne führt uns die Wanderung auf dem Schwarzwaldsteig.  (Foto: Hans-Joachim Schneider)

An Obstwiesen vorbei, hier wachsen die Birnen für den Williams Christ, dann folgt ein Abstieg, hinunter in eine kleine Siedlung. Es ist Samstag, der Rasen wird gemäht. Der Rasen ist allerdings eine ausgewachsene Wiese am steilen Hang. Es erfordert viel Konzentration, damit die Mähmaschine nicht kippt. Ein fahrbarer Rasenmäher – der Traum vieler Eigenheimbesitzer – hätte hier verloren.

Breiter Weg am Hang, auch das ist Schwarzwaldsteig wandern.

Mal breiter Weg, mal schmaler Natursteig, der Schwarzwaldsteig ist abwechslungsreich (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ein weiter Anstieg – immer mit Blick auf die unten gelegene Siedlung – auch hier vorbei an Obstbäumen, dann geht es hinein in den Wald.

Dort gibt es einen unerwarteten Halt. Ein großer Traktor versperrt den Weg. Holzarbeiter sind dabei, einen Baum zu fällen. Was tun? Aber natürlich hat man uns schon kommen sehen. Wir dürfen noch passieren. Axel kennt natürlich mal wieder alle. Wir dürfen in sicherem Abstand den Holzfällern zusehen, wie sie mithilfe von Motorsäge und Seilwinde eine große Tanne fällen. Die gibt sich angesichts des vornehmen Publikums große Mühe, besonders anmutig zu fallen.

Baum ohne Laub aber mit Fratze, auch das begegnet dem Wanderer auf dem Schwarzwaldsteig

Auch hier hat sich der Mann mit der Motorsäge nicht zurückhalten können. Den Baum hat es so geschüttelt, dass er alle Blätter verloren hat (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aber auch fallende Bäume halten uns Wanderblogger nicht lange auf, wir wollen ja weiter. Vorbei an einem Baum mit Gesicht, einem Bienenstock, in dem man blättern kann, erreichen wir den nächsten Bauernhof,  bzw. den Getränkebrunnen am Holderstanzenhof. Wie an anderen Erfrischungsstellen auch bietet der hiesige Betreiber (beinahe hätte ich Bauer gesagt, aber wer sagt mir denn, dass alle Getränkebrunnen-Betreiber Bauern sind) nicht nur Erfrischungsgetränke, sondern … wir denken an den Bienenstock zurück … auch Honig an. Eine willkommene Gelegenheit, mich damit einzudecken.

Ein ausgemustertes Fenster liebevoll beschriftet: Zuhause ist, wo die Liebe wohnt

Zu Hause ist, wo die Liebe wohnt! Wer solches schreibt, weiß wovon er spricht (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Lange Wegabschnitte wechseln sich ab mit Passagen durch hochstämmige Nadelwaldkulturen. Unterwegs immer wieder auch die Arbeiten des Motorsägenschnitzers. Die sind ja allgemein beliebter geworden in den letzten Jahren – auch und gerade infolge des Wanderbooms. Jede Region hat ihre Herrgott-Schnitzer, genauso wie sie ihre Liegebänke, Riesenbänke und Panoramafenster haben. Egal ob Hunsrück, Eifel oder Schwarzwald, diese Ausstattung ist überall gleich. Eine Hängebrücke nach tibetischer Bauart kann sich allerdings nicht jede Wanderregion leisten. Was die Region hier so besonders macht, sind die Getränkebrunnen. In dieser liebevollen Ausstattung habe ich sie sonst nirgendwo gesehen.

Panoramablick vom Sattelplatz: Der Blick schweift über die Schwarzwaldhöhen bis hinüber zum Rheintal

Panorama vom Sattelplatz: Hier wünsche ich mir meine alte Spiegelreflex zurück. Das Smartphone macht zwar wunderbare Bilder, aber jetzt bräuchte ich eine Teleobjektiv (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das nächste Highlight, das uns erwartet, ist der Panoramablick vom Aussichtspunkt oberhalb des Sattelplatzes. Vom höchsten Punkt der gesamten Tour schweift der Blick über das Rheintal hinweg bis nach Straßburg (allerdings nur an sehr klaren Tagen).

Dann folgt der Abstieg durch den Ibacher Schliff, geologisch interessant wegen des hier offen zutage tretenden weichen Sandsteins. Regen hat den Wanderweg ein wenig unterspült, aber Axel meint: Sorgen brauchen wir uns nicht zu machen. Denn wer hier abrutscht, landet weich im Sand.

Jede Menge Bänke, jede eine willkommene Rast für den Schwarzwaldsteig-Wanderer

Am letzten Tag schien er ein bisschen mitgenommen, jedenfalls ließ unser Axel fast keine Bank aus (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ab hier geht es für eine lange Zeit fast nur noch abwärts. Der Schwarzwaldsteig macht hier seinem Namen alle Ehre. Es geht lange Zeit fast nur durch Wald. Erst am Braunberg kommen wir für eine längere Passage aus dem Wald heraus und laufen im Gänsemarsch über eine der für die Gegend so typischen Steilhangwiesen. Hier gibt es dann noch einmal Gelegenheit zu einem Gruppenfoto. Ein wenig Abschied, vorweggenommen. Denn heute ist unser letzter gemeinsamer Tag.

Schwarzwaldsteig Wandern, alle Teilnehmer des Bloggerwanderns auf einem Foto

Die ganze Bande versammelt auf einem letzten gemeinsamen Foto (Foto: Bad Peterstal-Griesbach Tourist-Information)

Aber wir sind noch nicht am Ende. Noch einmal geht es in den Wald und wieder heraus. Eine weitere Obstwiese, eine weitere Bank, es könnte ewig so weitergehen.

Über einen entsprechend langen Abstieg erreichen wir unseren Ausgangspunkt am Bahnhof. Obwohl der Schwarzwaldsteig nur 11 km lang ist, ist in meinem Kopf eine endlos lange Reihe von Bildern zurückgeblieben. Das alles zu verarbeiten, wird mich noch lange beschäftigen. In Gedanken kehre ich immer wieder zurück zu dieser atmosphärisch dichten Wanderung mit meinen Kollegen.

Wie schon die Wege an den Vortagen stellt auch der Schwarzwaldsteig  dank der vielen An- und Abstiege Ansprüche an die Kondition, aber mit seinen 489 Höhenmetern entspricht er einer Tour, die den geübten Wanderer nicht vor Probleme stellt.

Doch der Tag war ja noch nicht zu Ende. Eine Betriebsbesichtigung mit Schnapsverkostung bei Deutschlands jüngster Schnapsbrennerin steht noch auf dem Programm. Nach der Vesper streiche ich die Segel, da meine Introversion nun darauf besteht, von mir ernstgenommen zu werden. Ich setze mich draußen in die Sonne und warte darauf, dass die restlichen Wanderblogger ihren Anteil Schnaps intus haben. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Probiert haben sie alle, aber keiner war betrunken.

Auf der Rückfahrt gibt es noch einen kurzen Stop für den letzten Shot. Bad Peterstal best view. Dann noch ein leckeres Abendessen, dann falle ich erschöpft in mein Bett. Im Halbschlaf glaube ich die Stimmen von Aras und Christiane im Nebenzimmer zu hören. Das kann doch nicht sein, die schlafen doch unten im Ort.

Traumhafter Blick über Wald und Wiesen auf Bad Peterstal

Noch einmal einer dieser paradiesischen Blicke, hier auf Bad Peterstal (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aber am nächsten Morgen sitzen sie mit mir am Frühstückstisch. In der Nacht zuvor hat sie der Lärm, den eine ausgelassen feiernde Hochzeitsgesellschaft in ihrem Hotel verursacht hat, aus dem Haus getrieben. Ein Geschenk Gottes: Denn beim leckeren Frühstücksbrunch offerieren sie mir eine Mitfahrgelegenheit nach Hamburg. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, den Wiesensteig noch einmal ganz alleine und in Ruhe zu wandern, aber die Option, sehr viel früher zu Hause zu sein, nehme ich als Gottesgeschenk. Danke also an Christiane und Aras für die gemeinsame Fahrt mit guten Gesprächen und gutem Schweigen. Wir sehen uns wieder im Norden.

Hier nochmal der Link zum Bericht von Christiane und Aras von wegsite.net: Wandertipps Bad Peterstal-Griesbach

Dann noch der Link von Frank von little discoveries: Wandern in und um Bad Peterstal-Griesbach

Und was nicht fehlen darf, ist der Bericht der lieben Jutta, die uns im Namen von Best of wandern so vorzüglich betreut hat. Sie betreibt nämlich auch einen Blog: Tag 1 bis 3

2 Kommentare

    • Hans Joachim Schneider sagt

      Liebe Leni, ja, das empfinde ich genauso. Ich hoffe, dass ich bald mal wieder dorthin komme. Schöne Grüße aus dem Norden. Joachim

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