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Lahnhöhenweg: ein vergessenes Schmuckstück

Eine Reihe von Heuballen reizt die Phantasie

Wandern auf dem taunusseitigen Lahnhöhenweg von Nassau nach Bad Ems

Es gibt zwei Trassen des Lahnhöhenweges. Die eine verläuft auf der Taunusseite der Lahn, die zweite auf der Westerwaldseite. Die linksseitige ist mit einem weißen L auf schwarzen Grund markiert, für die rechtsseitige hat man die Farben einfach invertiert: Hier folgt man also dem schwarzen L auf weißem Grund. Welche die schönere ist? Finden wir es doch heraus. Mit der hier vorgestellten Etappe von Nassau nach Bad Ems über die Höhen auf der linken Seite der Lahn (in Fließrichtung gesehen) ist  jedenfalls eine Etappe beschrieben, die mit Schönheiten nicht geizt. Und am Ende geht es lange, lange durch den Wald, so dass wir einfach die Seele baumeln lassen können. Aber Vorsicht: Trotz allen Seelenbaumelns sollten wir nicht vergessen, an den Wegkreuzungen nach den Wanderzeichen zu sehen.

Schwarzes L auf weißem Grund, das ist das Wegzeichen für den taunusseitigen Lahnhöhenweg

So sieht es aus, das Wegzeichen für den linksseitigen Höhenweg.

Aus dem Bahnhof von Nassau herauskommend, wenden wir uns nach links und gehen die ca. 200 Meter bis zum Kreisverkehr vor der Lahnbrücke. Nach links überschreiten wir die Brücke und erreichen auf der gegenüberliegenden Seite der Querstraße, auf die die Brücke trifft, eine Infotafel mit Wegehinweisen für alle Wanderwege, die sich hier vereinen. Uns interessiert heute aber nur der Lahnwanderweg. Die Infotafel ist hier nicht ganz eindeutig. Ein Richtungspfeil unter dem L würde uns gerne neben der Straße ein Stück nach rechts schicken.

Aber die gefälligere Lösung sieht folgendermaßen aus: Wir nehmen an der Infotafel den schmalen Fußweg, der hier bergauf führt. Schnell sind die zwei, drei Häuser am Hang passiert und schon stehen wir buchstäblich mitten im Wald. An den nächsten zwei Weggabelungen halten wir uns stets an den linken bergaufführenden Abzweig. Und schon an der zweiten Gabelung stößt nämlich die offizielle Variante zu dem hier vorgeschlagenen Weg. Ab jetzt können wir uns also an dem offiziellen Wegzeichen orientieren.

Der Weg führt im sonnendurchschienen Wald aufwärts

Sobald wir auf den markierten Hauptweg stoßen, folgen wir nur noch dem Wegzeichen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Es geht weiter bergauf, dann nach einer Linkskehre in ein stilleres Seitental hinein. Der Weg scheint an einem kleinen Plateau mit einer überdachten Laube zu enden, aber unmittelbar führt er rechts bergab.

Verspielt tanz das Sonnenlicht über den Waldboden

Lädt zum Verweilen ein: ein kleines sonnenbeschienenes Plateau (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wir nehmen uns aber Zeit für diesen Platz, er strahlt etwas sehr Friedliches aus. Empfänglichere Seelen würde es durchaus einen Kraftplatz nennen, ohne sich gleich dafür als Esoteriker ausschimpfen zu lassen. Und wenn an einem sonnigen Morgen das Licht durch die Eichenblätter gedämpft auf den Waldboden fällt, spricht dieser Platz auch Herz und Seele an.

Ein kleines Plateau mitten im Wald, von der Sonne beschienen, vermittelt Frieden und Ruhe.

Friedlich und kraftvoll liegt dieses kleine Plateau am Rande des Weges (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Abstieg durch den verzauberten Eichenwald hinunter in das Seitental erfolgt über zwei, drei Serpentinen, dann stehen wir an einem Wegefünfstern.

Leiste plätschert der Bach durch das stille Seitental.

Ein kleiner Bach fließt durch das Tal, eine schmale Brücke führt darüber (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wir nehmen den zweiten Weg rechts, dieser führt über eine Wiese, einen Steg über den Mühlbach und dann gleich links wieder den Berg hinauf. Schließlich heißt der Weg ja Lahnhöhenweg. Am Anfang mit etwas kräftigerer, später mit mäßiger Steigung geht es schnell wieder auf die Höhe. An einer Abzweigung, an der eine der jetzt so beliebten Liegebänke steht, könnten wir zum ersten Mal Schwierigkeiten mit der Orientierung haben.

Das reizvolle an dieser Etappe ist der stete Wechsel zwischen Wald und offenem Grün.

Am Waldrand ist der Baumbestand nicht so dicht, hier fällt der Blick auf die Umgebung (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hier biegen wir scharf nach links ab, dann finden wir schnell das gesuchte Wegzeichen. Ab dieser Stelle haben wir jetzt eine alte Asphaltdecke unter den Füßen. An einer kleinen Schutzhütte am rechten Wegrand ist dann das Ende des Waldes erreicht. Noch ein paar Schritte und die weite offene Acker- und Wiesenfläche des Schimmerich breitet sich vor uns aus.

Ein einzeln stehender Baum trägt eine ganze Reihe von Wegzeichen.

Sympathischer als ein General mit Orden: ein einzeln stehender Baum trägt mehrere Wegzeichen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Weg führt mitten durch das Ackerland, zunächst nach links, dann in einem Rechtsbogen wieder auf den Rand eines Wäldchens zu, dass die Bergkuppe bedeckt.

Ein letzter Blick nach links, Abschied von den hohen Bäumen, dann geht es hinaus ins Feld.

Ein letzter Blick in den Wald, dann geht es hinaus in die freie Flur (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wenn wir uns jetzt umdrehen, können wir Burg Nassau auf der Nachbarkuppe thronen sehen. Sie ist eine stolze Burg mit mächtigem Viereckturm. Aber der nächste Wald wartet schon auf uns, es geht jetzt hinüber über die kleine bewaldete Bergkuppe.

Über die freie Flur steigt der Weg zu einem Wäldchen an.

Ein kleines Wäldchen bedeckt die Bergkuppe, fast wie ein Irokesenschnitt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das Wäldchen ist nicht groß, wenige Hundert Meter nur, dann haben wir die Kuppe überschritten und vor uns öffnet sich auch schon wieder der Wald und entlässt uns abermals in eine offene, aber immer noch hügelige Wiesenlandschaft. Rechter Hand breitet sich wieder fruchtbares Ackerland aus.

Wiesen, im Hintergrund Wald und einen kleine Allee aus Obstbäumen

Kaum sind wir aus dem Wald heraus, blicken wir schon auf die Allee aus Obstbäumen, die aus Misselberg herausführt, rechts im Bild das Buchardi-Haus der Stiftung Scheuren (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mitten in diesem Grün liegt das kleine Örtchen Misselberg wie eine kleine Oase. Vorbei am Friedhof mit der kleinen Kapelle erreichen wir den Ortsrand, wo es an der Wegverzweigung nach rechts geht, mitten durch den Ort. Indem wir nun auf der Taunusstraße bleiben, führt uns diese in einem ganz ordentlichen Anstieg aus Misselberg hinaus. Rechts unterhalb des Weges befindet sich eine Apfelplantage, das milde Lahnklima scheint den Obstanbau zu begünstigten.

Grüne Wiesen, vereinzelt verstreute Bäume, ein Acker und ein weiter Horizont oberhalb von Misselberg

Sonnenbeschienenes Weide- und Ackerland oberhalb von Misselberg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wir erreichen einen größeren Hof (Hof Mauch), rechts ein parkähnliches Grundstück mit großen alten Bäumen, dahinter das Buchardihaus, genau wie Hof Mauch ein Betrieb der Stiftung Scheuern, die sich der Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung verschrieben hat. In der Zeit des Nationalsozialismus spielten die Heime der Stiftung Scheuern eine ungute Rolle als Übergangsheime, in denen geistig behinderte Menschen aufgenommen wurden, bevor sie dann in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht wurden. Das Buchardihaus beim Hof Mauch macht von außen den Eindruck, als sei es nicht mehr bewirtschaftet.

Auf Höhe dieser Einrichtung führt der Weg rechts ein Stück bergab, dann geht es hinter dem Gelände wieder links steil bergan in den Wald hinein. Schließlich erreichen wir mitten im Wald die Kutzlay, einen wunderbaren Aussichtspunkt oben am Hang mit Blick nach rechts hinunter auf Nassau und nach halblinks über die Lahn Richtung Dausenau.

Blick hinunter ins Lahntal

Blick von der Höhe hinunter auf das Lahntal zwischen Nassau und Dausenau (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ohne große Höhenunterschiede geht es durch das freundliche Waldstück auf dem Klodersberg. Schließlich verlässt der Weg den Wald, an einer Wegkreuzung dann halb links wieder tiefer in den Wald hinein. Und diesem Wald bleibt der Weg jetzt erst einmal treu. Auch weiterhin ohne großes Auf und Ab passieren wir die Kuppe des Lohbergs. Diese versteckt sich aber im Wald linker Hand.

Eine Reihe von Heuballen reizt die Phantasie

Hatten wir schon mal: Einer tanz ja immer aus der Reihe (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Sobald der Weg dann doch wieder ins Freie tritt, dehnt sich rechts Ackerland, links begleitet uns weiterhin der Waldrand. Wir passieren eine kleine Ansammlung von Häusern, das sind Deutschherrenhütte und direkt daneben Kirschheimersborn. Unmittelbar dahinter tritt der Lahnhöhenweg wieder in den Wald ein. Gleich darauf aber heißt es aufpassen, denn an einer leicht zu übersehenden Stelle schickt uns die Markierung plötzlich im 90°-Grad-Winkel nach rechts ab und führt nun als schmalerer Pfad zügig abwärts.

Hell leuchtet die Wegspur im Grün.

Im sanften Bogen führt der Weg durch den Wald bergab (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dann wird er wieder breiter, behält seine Richtung »bergab« aber stets bei. Der Weg zieht sich. Es scheint, als wollte der Wald uns nicht freigeben. Auf dem Grundstück eines Bauernhofs entlässt er den Wanderer dann doch ins Freie. Fast geradlinig geht es weiter bergab, am Bauernhof vorbei, an Wiesen und Feldern. Und schon wartet der nächste Wald auf uns.

Ein Stück des Weges läuft zwischen Weiden auf den Waldrand zu.

Wieder geht es für ein kurzes Stück aus dem Wald heraus, aber vor uns sehen wir schon den nächsten Waldrand (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Kurz nach dem Waldeintritt stehen wir unversehens mitten auf geschichtsträchtigem Boden. Informationstafeln zeugen davon, dass wir uns im Bereich der ehemaligen römischen Limesanlagen befinden. Zur Veranschaulichung sind ein Palisadenstück und die Grundmauern eines Wachturms mitten im Wald rekonstruiert.

Ein kleines Stück Palisadenzaun soll uns an den Limes erinnern.

Ein kleines Stück Palisadenzaun, ein rekonstruierter Wachturm, Hinweise auf die alte Grenzanlage des Limes (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schließlich erreichst Du ein Asphaltsträßchen, noch einmal geht es steil bergan. Unterhalb der Kuppe des Winterbergs macht das Sträßchen einen weiten Rechtsbogen und schon befinden wir uns wieder »in Freiheit«. Wieder einmal ohne großen Höhenunterschied passieren wir zunächst ein Wohngebäude, dann geht es wieder in den Wald, wo gleich der Parkplatz des Ausflugslokals Wintersberg liegt.

Auf Höhe des Lokals verlassen wir aber wieder den Fahrweg und begeben uns links bergab auf einen Pfad, der nun mit mäßigem aber stetigem Gefälle weiter ins Tal vorstößt. Geräusche verraten die Nähe der Stadt. Noch ein, zwei Spitzkehren, dann betreten wir bebautes Areal der Stadt Ems. Es ist ein älteres Wohnsträßchen, nicht unbedingt die Vorzeigeseite dieses ehemaligen Kaiserbades. An der Wegkreuzung auf der Höhe der Kapelle gehen wir noch ein Stück geradeaus, dann macht das Sträßchen einen Bogen nach links. Auf der breiteren Querstraße dann noch einmal kurz nach rechts und schon sehen wir nach wenigen Schritten rechts den Eingang zum Bahnhof von Bad Ems vor uns.

Wir wollen uns aber doch nicht die Sehenswürdigkeiten des  alten Kaiserbades entgehen lassen. Denn es warten ja nicht nur zahlreiche Einkehrmöglichkeiten, sondern auch die Schönheiten dieser berühmten Stadt an der Lahn.

Die Wanderung in Kürze

Startpunkt: Nassau Bahnhof

Zielpunkt: Bad Ems Bahnhof

Länge: ca.13 km

Dauer: ca. 4 Stunden

Schwierigkeitsgrad: leicht (mit ein paar saftigen Anstiegen, die die Einstufung ganz leicht in Richtung mittel rutschen lassen)

Wegbeschaffenheit: viele Naturpfade, eine Wald- und Wiesenwege, insgesamt eine Wohltat für die Füße

Markierung: weißes L auf schwarzem Grund. Die Richtungspfeile sind fast immer auf einem separaten Schild (ebenfalls in Schwarz auf weißem Grund) darunter angebracht. Der Lahnhöhenweg ist gut ausgeschildert, allerdings gibt es zwei, drei Abzweige, an denen Du nicht direkt vor dem Abzweig ein Hinweisschild findest. Hier musst Du einfach darauf achten, ob auf den folgenden fünfzig bis hundert Metern die Markierung wieder auftaucht. Wenn nicht, solltest Du zurückgehen und die andere Variante des Abzweiges versuchen.

 

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