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Mit Knut am Battertfelsen
klettern

Mann mit grauen Haaren unter grünen Bäumen auf einem Felsplateau

Eine Einladung in die Battertfelsenregion

Die Battertfelsenregion oberhalb von Baden Baden ist eine beliebte Kletterregion. Schon vor Jahren schlug Knut »Du weißt ja, ich geh gerne steil«, mit dem ich schon die eine oder andere Tour im Ahrtal gemacht habe, mir vor, dass ich ihn mal in Karlsruhe besuche und wir dann in seinem zweiten Wohnzimmer eine Tour machen sollten. Zu der Einladung schickte er mir Fotos von den Battertfelsen. Das hätte er besser nicht gemacht.

grün bewaldete Bergkuppe des Battert, im Vordergrund die Kletterfelsen

Auf der Südseite der Bergkuppe des Battert ragen deutlich die blanken Kletterfelsen hervor, die eine Höhe von bis zu 60 Metern haben (Foto: Rainer Lück 1RL.de).

Ich und klettern!  Ich kriegte Zustände, schon allein bei der Vorstellung, im Fels zu hängen und dann nicht mehr ein oder aus bzw. rauf oder runter zu wissen. Knut sichert mich ab. Und ich klettere!?

Tolle Vorstellung. Aber soweit ab von der Realität. Und ich war selber dran schuld. Leider hatte ich die Vorstellung bei der Wahl unserer Touren im Ahrtal genährt, dass ich genauso gerne steil ging wie er.

Ein Mann auf einem Felsen, ein Gipfelkreuz, darüber blauer Himmel: Knut entziffert die Hieroglyphen, die die wenigen Einheimischen, die schon hier oben waren, hinterlassen haben. Oder waren doch schon andere Besucher hier? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Knut auf dem Gipfel der Engelslay bei unserer Seven-Summits-Tour (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Vor drei Jahren hatte ich mit ihm und Freunden die anspruchsvollste Tour im Ahrtal überhaupt gemacht: Über alle sieben Gipfel rund um Altenahr und Mayschoß. Immer rauf auf die Felsen, aber gottseidank niemals klettern.

Der Südgipfel, mythischer Ort, selten erreicht, nie beschrieben.

Der Südgipfel der Engelslay, ein weiterer Gipfel bei unserer Gipfeltour im Ahrtal (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Jetzt heißt es klug handeln

Also wie konnte ich ihm meine Begeisterung vermitteln und gleichzeitig den Kletterplan hintertreiben? Wie immer kam mir das Leben zu Hilfe. Eine bzw. zwei Augen-OPs retteten mich vor der Kletter-Challenge. Kurz vor dem Besuch in Karlsruhe musste ich den Grauen Star operieren lassen und nach den OPs galt jeweils für ca. 10 Tage das Verbot allzu großer körperlicher Anstrengung. Und die letzte Operation hatte ziemlich genau 10 Tage vor der geplanten Tour stattgefunden. Glücklicherweise …

Felsplateau des Battertfelsen, Knut in seinem Reich

Knut ist hier oben zu Hause. Immer vorneweg führt er mich zu seinen zahlreichen Lieblingskletterfelsen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Also eigentlich wär es ja gegangen. Aber: im Zweifel für den Angsthasen. Zudem hatte ich zwei Tage vor der Reise nach Karlsruhe auch noch angefangen zu joggen – nach etwa 30 Jahren wieder. Das bescherte mir nun ganz fürchterlich schmerzende Muskeln, die ich auch noch ins Feld führen konnte. Ich war, meinem Namen entsprechend, aus dem Schneider!

Mächtige Eiche, wie Knut erklärt, wohl die älteste hier oben auf dem Battert.

Rund 600 Jahre soll diese mächtige Eiche auf dem Buckel haben. Damit wäre sie die älteste auf dem ganzen Battert.

Am Vorabend der Tour erzählte Knut dann begeistert, dass es auf beiden Seiten des Klettergebietes zwei alte Burgen (bzw. Schlösser) gibt, wo man herrlich einkehren könne. Er versuchte also, mir das Ganze noch schmackhafter zu machen. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste er natürlich schon, dass ich nicht klettern würde.

Felsplateau, eine Felsnadel, und von allen Felsen blickt man hinunter auf Baden-Baden

Da die Gruppe der Kletterfelsen auf der Südseite des Battert liegen, haben wir von allen Stellen einen Blick hinunter auf Baden-Baden (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auch ohne Klettern ein toller Tag

Das Wetter am nächsten Morgen konfrontierte uns mit eitel Sonnenschein. Es war noch nicht allzu heiß, die richtigen Hundstage sollten noch kommen. Wir fuhren nach einem gemütlichen Morgentee los Richtung Baden-Baden. Eine halbe Stunde, am Ende auf den typisch einladenden Schwarzwaldaufstieg-Straßen, bis zu einem kleinen Parkplatz im Wald.

Übersichtskarte am Wanderparkplatz. Darauf sind schön der obere und der untere Felsenweg zu erkennen.

An dieser Übersichtstafel erklärte mir Knut die Route, wie er sie für heute mit mir geplant hat (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dann ging es hinein in die Battertfelsen-Region. Knut erläuterte mir an einer Tafel mögliche Wanderstrecken. Auf schmalem Pfad ging es hinauf zum oberen Felsenpfad. Hier bewegten wir uns, wie der Name schon vermuten lässt, am oberen Rand der Felsklippen.

Ein Teil der Kletterfelsen war gesperrt, weil Turmfalken und andere geschützte Vogelarten in den Wänden brüten. Knut erzählte viel von der Region, von den Felsen, von den Menschen, die er hier oben getroffen hat. Aber lassen wir auch die Fotos sprechen.

Ein wenig erinnert mich die Battertfelsen-Region mit ihren nebeneander aufragenden Felstürmen an die Sächsische Schweiz

Ein wenig erinnert mich die Battertfelsen-Region mit ihren nebeneander aufragenden Felstürmen an die Sächsische Schweiz (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mein erster Eindruck: Ganz entfernt erinnerten mich die Felsklippen an jene in der Sächsischen Schweiz. Allerdings ist die geologische Entstehung der Battertfelsen andere als im Elbsandsteingebirge. Beim Battert handelt es sich eher um verkieselte Sandsteinschichten, d.h. der Stein ist sehr viel härter und widerständiger gegen Erosion als der normale Sandstein. Zu den hier abgelagerten Sedimenten gehören auch vulkanogene Sedimente.

Einzelne Felsklippe, durch Erosion aus dem umliegenden Gelände herausgearbeitet. Sehr schön sind die feinen waagerechten Schichlten zu erkennen.

Hier ist eine einzelne Felsklippe zu sehen, an der sehr schön die fast bilderbuchmäßige Schichtung zu erkennen ist  Es sieht fast aus wie gemauert.(Foto: Hans-Joachim Schneider)

Sehr angenehm: Da die einzelnen Lagen wie bei einer Schichttorte fast perfekt waagerecht angeordnet sind, besitzen fast alle Felstürme Oberflächen, flach wie ein Bügelbrett. Das ist ideal für Kletterer, die sich von oben abseilen.

KNut zeigt mir die verzauberte Welt des Bannwaldes hier oben am Battert

Knut zeigt mir die verzauberte Welt des Bannwaldes hier oben am Battert (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die Kletterrouten werden vom DAV Sektion Baden-Baden betreut, der hier oben direkt über einer der steil abfallen Felswände eine Hütte betreibt. Die schönsten Wände sind bis zu 60 Meter hoch. Mehrfach geht Knut bis an den Rand und zeigt mir seine liebsten Kletterstellen. Darunter sind auch ein paar versteckte, die er ganz für sich hat. Denn bei schönem Wetter ist ganz schön was los.   Unter anderem zeigt er mir auch jene Scharte, die er für mich auserkoren hatte.

Wir waren freitags, also an einem Wochentag oben, da kommen die ersten Kletterer erst etwas später. Am Wochenende wären die Wände bei diesem Wetter wohl schon voller gewesen. Es gibt hier am oberen Felsenweg bei unserer Tour nur eine Stelle, wo ein Sicherungsseil über die Felskante hängt. Als wir später auf dem Rückweg den unteren Felsenweg wählen, sind schon drei oder vier Kletterer in den Wänden.

Mann mit grauen Haaren unter grünen Bäumen auf einem Felsplateau

Knuts Enthusiasmus steckt mich an. Immer wieder ist er mir voraus, um die nächste Wand zu suchen, an der er klettert (Foto: Hans-Joachim Schneider)

An Knuts begeisterten Erzählungen ist deutlich zu merken, dass er ständig hier oben ist. Er schildert Kirchengemeinden, die hier Kindstaufen feiern und Yogagruppen, die oben auf dem Plateau mit Gesängen den Sonnenaufgang begrüßen.

Schutzhütte unter grünen Eichen auf einem der vielen Felsplateaus

An dieser Schutzhütte beginnt der Abstieg zur Schlossruine Hohenbaden, wo wir einkehren wollen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nach der Hälfte der Tour erreichen wir die erste Schlossruine (Schloss Hohenbaden) mit Restaurant. Dort findet grade eine Tagung statt, für zufällige Gäste ist leider nicht geöffnet. Und das, nachdem wir nicht gefrühstückt hatten! Also geht es mit knurrenden Mägen und Unterzuckerung zurück zum Auto.

Der Stumpf eines abgestorbenen Baumes beherbergt viele Vogelhöhlen.

Schaut mich da eine Totenmaske aus dem Baumstumpf heraus an? Trugen nicht die Pestärzte solche Masken? Kein böses Omen – sondern Beginn einer faszinierenden Tour (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Stopp: Auf dem Rückweg sind wir dann doch noch ein wenig geklettert. Allerdings ohne Gerät. Auf dem unteren Felsenweg, also am Fuß der Klippen, erreichten wir eine Blockhalde, die nur über einen mit Steinmännchen markierten Pfad erklommen werden darf. Auf diesem führte mich Knut zur Scharte, in der er – fürsorglich wie er ist – mich aufsteigen lassen oder abseilen wollte, bevor er von meiner »Behinderung« erfuhr.

Jetzt heißt es nur noch, an ein Frühstück kommen. Knut, der sich hier ja auskennt, fährt nach Kuppenheim, wo wir in einer Bäckerei Kaffee und Kuchen erstehen, um uns dann draußen in der Sonne die Mägen zu füllen.

Infos zur Battertfelsen-Region und zu den Kletterrouten findest Du hier: www.battertfelsen.de

Und falls Du neugierig geworden bist auf meine Klettertour im Ahrtal, so findest Du die Beschreibung der Tour unter diesem Link: Die Seven Summits im Ahrtal

Ein großer Dank geht auch an Rainer Lück für das Foto von der Battertregion, das vom Baden-Badener Hausberg Merkur aufgenommen wurde. Photography Rainer Lück

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