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Wenn Wanderführer sich verlaufen …

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Wald im Wald – leider überbelichtet (Foto: H.-J. Schneider)

… dann werden aus geplanten 18 Kilometern schon mal schnell 22.

Ein klarer blauer Himmel überrascht mich am heutigen Sonntag. Schon seit ein paar Tagen war eine Wanderung von Friesenrath (bei Aachen) durch den Monschauer Staatsforst zur Dreilägerbachtalsperre geplant. Einzige Mitwanderin ist Marlene, wir kennen uns noch nicht, treffen am Wanderparkplatz in Friesenrath (nachdem wir ein paar Mails ausgetauscht haben) das erste Mal zusammen. Ich habe das Gefühl, dass wir uns gleich gut verstehen.

Wenn Wanderführer sich verlaufen, tun sie es gründlich

Schon direkt am Anfang schieße ich über das Ziel hinaus, will sagen, verpasse eine wichtige Abzweigung. Nach einigem Umherirren im Wald habe ich die richtige Spur wiedergefunden. Nun geht es auf vertrautem Weg hinunter ins Vichtbachtal, wir folgen dem Bachlauf, passieren dabei Mulartshütte, gelangen zu einem großen Parkplatz, hinter dem wir die Fahrstraße von Mulartshütte nach Zweifall überqueren. Etwas nach rechts versetzt führt ein Asphaltsträßchen jetzt wieder tiefer in den Monschauer Staatsforst hinein.

Wenn Wanderführer sich im Wald verlaufen

Wald im Wald – leider überbelichtet (Foto: H.-J. Schneider)

Bei leichtem Anstieg geht es nun stets parallel zum Vollerbach bis zur Mulartshütter Schneise. Diese überqueren wir in gerader Linie und überschreiten dabei den höchsten Punkt dieses Streckenabschnitts. Kurz vor der Fahrstraße in der Nähe von Rott biegen wir aber nach links nun auf einen undeutlicheren Waldweg. Nun geht es auf sattsam durchweichten Waldboden durch hohen Buchenwald bis zu einem Waldsträßchen, auf diesem nach rechts und schon passiert mir das zweite Missgeschick dieser Tour. Ich biege eine Abzweigung zu früh nach links ab (kann wahrscheinlich nicht erwarten, den Asphalt unter den Füßen wieder los zu werden.

Zurück auf dem Weg, aber schon wieder verlaufen

Aber auch diesmal fällt mir nach einiger Zeit auf, dass der Weg nicht der rechte ist. Also zurück zum Asphaltsträßchen, weiter in der alten Richtung. Und tatsächlich, die nächste Abzweigung kommt mir sehr viel vertrauter vor. Da wir aber schon zwei Umwege gemacht haben, schlage ich vor, den Weg nun etwas abzukürzen und direkt Richtung Rott zu gehen. Das heißt aber auch: einen neuen Weg suchen. Das hat Abenteuerpotenzial. Wieder geht es über feuchtnassem Waldboden, der zudem durch große Walderntemaschinen (sogenannte Harvester = das sind die Dinger, die einen Baum in Nullkommanix fällen, entasten und in kleine Stücke schneiden) aufgewühlt ist. Also dann doch besser gleich mittenmang durch den Wald Richtung Rott (wo immer das gerade sein mag). Ich versuche, mich an der Sonne zu orientieren.

Wo die Karte nicht mehr hilft, hilft die Sonne

Schließlich landen wir an einer großen nur mit Birken bestandenen Hochmoorfläche. Davor ein Bauwagen. Marlene probiert sich ganz ungeniert an der Tür und siehe da …,  ist offen. Könnt man sich ja reinsetzen. Nach einem Blick auf die Schaumgummipolster auf den Bänken vergeht uns die Lust darauf (nix gegen Waldarbeiter, aber mit Sauberkeit …?). Wir bleiben draußen vor dem Wagen, wo wir unsere Brotzeit einnehmen. Iss eh viel schöner in der Sonne.

Nach einem Blick auf die Karte (und das iPhone mit Google-Maps) weiß ich wieder ungefähr, wo wir sind. Nachdem wir die Moorfläche am Rand passiert haben, kommt mir die Gegend langsam wieder vertraut vor. Aber irgendwas stimmt nicht. Und irgendwann dämmert es mir: Wir sind zwar am Naturschutzgebiet Struffelt, kommen aber diesmal von der falschen – sprich: von der anderen – Seite.

Wanderführer Moor Fichten blauer Himmel, Wanderführer verlaufen

Naturschutzgebiet Struffelt – nur von der »falschen« Seite (Foto: H.-J. Schneider)

Endlich wieder auf dem richtigen Weg

Nun geht es schnell hinunter nach Rott. Jetzt gelüstet es mich nach Kaffee und Kuchen. Marlene kommt mit – sie freut sich auf Tee. Wir kehren in ein Landgasthaus ein, dass ich von früheren Wanderungen kenne. Aber der Gastraum ist neu, ebenso der Kellner. Der ist so glatt, dass er auch in einer Roofbar eines hanseatischen Hotels kellnern könnte. Seine Freundlichkeit ist gelernt, das Interieur zeitlos geschmacklos. Nach einem lauwarmen Cappuccino und der Frage einer anderen Gästin (?? gibt es das Wort überhaupt), ob ich Oliver P… bin (who the f… is Oliver P…) verlassen wir das gastfreundliche Haus wieder.

Nichts wie raus hier

Nun nur noch schnell raus aus Rott, hinter Rotterdell wieder hinein in den Wald und schnell sind wir wieder in Kitzenhaus oberhalb von Friesenrath. Nun geht es noch ein  paar Minuten bergab und schon sind wir wieder am Auto. Ein Blick auf meine Trackaufzeichnung sagt mir: Wenn ich die Pause abziehe, war dies die schnellste Wanderung, die ich je mit einem Mitwanderer gemacht habe. Marlene hat meinen Respekt verdient.

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