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Drei Tage im Wanderparadies – Tag 1

Schwarzwälder Wandersinfonie – die Ouvertüre

Gott erschuf die Erde in sechs Tagen. Am siebten Tag ruhte er von seiner Arbeit aus. So wird es uns in der Kirche gelehrt. Ich kenne aber noch eine andere Version dieser Geschichte:

Gott war ein unruhiger und kreativer Geist. Als er sich am siebten Tag genug über das gefreut hatte, was er da erschaffen hatte, juckte es ihn gleich wieder in den Fingern. In seiner (Schöpfungs-)Werkstatt hatte er noch einen ganzen Haufen saftig grüner Wiesen, noch jede Menge tiefblauen Himmel und Berge voller dunkler Tannen übrig.

Angesichts dessen bekam er gleich wieder Lust, noch ein ganz besonderes Fleckchen Erde zu gestalten. So schuf er mit viel Liebe und großer Hingabe einen verzauberten Landstrich und nannte ihn Paradies. Weil dieser Name aber durch bekannte Ereignisse in Verruf kam, nannten die Menschen das Tal dann Bad Peterstal-Griesbach.

Grüne Wiesen, dunkel bewaldete Kuppen, blauer Himmel, im Vordergrund ein Schwimmbad, so fängt die Tour auf dem Himmelssteig an

So hat er es sich vorgestellt, so hat er es vollendet: Blick von Himmelssteig auf das Paradies, will sagen Bad Peterstal-Griesbach (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Er hatte so viel Spaß an diesem Stück Natur, dass er darüber fast Kaffee und Kuchen vergaß. Aber weil er mit diesem Landstrich so zufrieden war, erfand er auch gleich noch die passende Köstlichkeit, die er den Menschen, die hier leben sollten, verehrte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Schwarzwälder Kirschtorte, angeschnitten,

Zur Belohnung gönnte sich der Schöpfer ein Stück dieser Köstlichkeit: Schwarzwälder Kirschtorte (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und weil die Menschen, die hier leben, freundliche, dankbare und demütige Menschen sind, schufen sie dem Schöpfer zu Ehren drei Wanderwege in Erinnerung daran, was der himmlische Vater ihnen an seinem letzten Schöpfungstag so reichlich hatte zukommen lassen: den Wiesensteig, den Himmelssteig und den Schwarzwaldsteig.

Ein kleiner Wasserfall, wasser das perlend über Steine springt

Oops, das hätten wir beinahe vergessen: Wasser hat er auch reichlich ausgegossen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zeitsprung: September 2019

Ganz ehrlich: Ich bin so voller Eindrücke, dass ich die Bilder gar nicht mehr sortiert bekomme. So viele Panoramen, so viel grüne Natur, so viele Wege, so viel Wasser, so viele Menschen mit einem Leuchten in den Augen, so viel Blau, so viel Grün, so viel Stille.

Es fällt mir schwer, wieder umzuschalten, wieder zurückzukommen in meinen Alltag. Die Bilder halten mich fest, ich spüre den Geschmack der Luft auf der Zunge, genieße die Erinnerung an die Stille, das Murmeln des Wassers begleitet mich in den Schlaf.

Der erste Tag im Wanderparadies: Begrüßung am Wiesensteig

Aber der Reihe nach: Ich bin eingeladen, um drei Tage in Bad Peterstal-Griesbach und seine Wandersinfonie zu erleben. Die Wandersinfonie, das sind die drei Premium-Wanderwege Wiesensteig, Himmelssteig und Peterstaler Schwarzwaldsteig. Das erfahre ich aber erst vor Ort.

Wobei, gleich zu Beginn schieße ich über das Ziel hinaus. Soll heißen, ich steige nicht rechtzeitig aus der doch recht überschaubaren S-Bahn von Offenburg nach Griesbach aus. Ich habe eine Fahrkarte nach Bad Griesbach gelöst. Leicht verunsichert bin ich, als der Zug in St. Peterstal hält. Sobald er sich wieder in Bewegung setzt, sehe ich draußen Jutta am Bahnsteig stehen – mit ein paar anderen Menschen, die ich aber (noch) nicht kenne. Kaum fährt der Zug wieder los, hab ich auch schon eine Nachricht von Jutta auf dem Handy: Wo bist Du? Wo? Natürlich im Zug, hat mir ja keiner gesagt, dass ich in Peterstal aussteigen soll und nicht in Griesbach.

Wobei sich dann in Griesbach rausstellt, dass ich doch richtig bin, da ich noch weiter oben am Berg untergebracht bin. Ein VW-Bus holt mich ab, eine freundliche junge Frau am Steuer. Sie heißt Celine, macht hier vor Ort ihr erstes Ausbildungsjahr und kommt – genau wie ich (tataa!) aus dem Hunsrück. Sie bringt mich zum Höhengasthaus Herbstwasen. Ein traumhaft gelegenes Domizil auf halber Höhe am Berg. Ich glaube, das hat man für mich ausgesucht, um mich von Anfang an milde zu stimmen.

Ein Gasthaus am Berg, mitten in grünen Wiesen

Höhengasthaus Herbstwasen im Licht der aufgehenden Sonne: ein herrlicher Platz, um sich zu erholen, ein wunderbarer Platz zum Essen, ein himmlischer Platz zum Schlafen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zwischenbemerkung: Ich versuche erst gar nicht, alles akribisch zu beschreiben, was wir unternommen haben. Bei meiner Detailverliebtheit würde ich vermutlich noch in einem halben Jahr an diesem Bericht sitzen. Zumal es – wie oben schon beschrieben – so viel zu erzählen gäbe. Ich mache es deshalb so kurz wie möglich.

Eine halbe Stunde später, ich habe mich gerade ein wenig erfrischt, steht der Bus wieder vor der Tür – an Bord die Bloggerkollegen, die ebenfalls eingeladen sind. Ich kenne bis dato nur Jutta von icheinfachunterwegs, aber die anderen werde ich noch kennen- und schätzen lernen. Am Weiherplatz (mitten im Wald) – nicht weit von meinem Hotel – soll uns eine junge Dame Wanderyoga näherbringen.

Ein kleiner Bach, links und rechts grünes Gesträuch vor dunklem Tannenhintergrund, Sonnenstrahlen aus blauem HImmel

Ein kleiner Bach, links und rechts grünes Gesträuch vor dunklem Tannenhintergrund, Sonnenstrahlen aus blauem HImmel: die Wilde Rench bildet die Seele des WuWei-Wasserweges (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die junge Dame taucht etwas verspätet auf, hat uns aber mit ihrer italienisch-südamerikanischen Art sofort für sich eingenommen. Nach einer kurzen Vorstellung führt sie uns über den Wu-Wei-Wasserweg, wo sie uns mit einfachen Atemübungen das Loslassen, das Verschmelzen (mit dem Wasser), das Eins-werden mit der Natur um uns herum näherbringt.

Mit großen Ohren höre ich, dass sie früher Reisegruppen in das Amazonasgebiet geführt hat. Dort ist es, wie man sich unschwer vorstellen kann, manchmal überlebenswichtig, mit der Natur zu verschmelzen. Sie sprach in diesem Zusammenhang auch davon, die Unendlichkeit zu erreichen. Leider erfahren wir von Anna nicht, ob alle Reiseteilnehmer wieder heil nach Hause gekommen sind. Ich werde nachdenklich.

Ein Bach zwischenSteinen, grünes Moos und indisches Springkraut, Sonnenlicht spielt über dem Bach

Dem Wasser lauschen, die Welt ringsum loslassen, eins werden mit der Unendlichkeit, ganz im Sinne von Anna, unserer Yoga-Lehrerin (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dieser Abschnitt ist viel zu kurz, am nächsten Querweg wartet schon wieder der Bus. Celine (wer durch den Hunsrück will, muss verteufelt gut fahren) bringt uns zur Renchtalhütte, einem malerisch am Berg gelegenen Gasthaus im anheimelnden Schwarzwald-Stil.

Unsere Wandergruppe folgt der Yogalehrerin auf dem schmalen Steig neben dem Bach

Anna führt uns auf dem WuWei-Wasserweg am Bachlauf der Wilden Rench entlang (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aber Einkehr ist nicht, wir wollen (?) ja laufen. Der Einstieg in den Wiesensteig befindet sich hinter dem Ziegengehege. Von hier geht es durch meist schwarzen Wald bis zur Haberer-Hütte. Die steht an einer Wegkreuzung, wo Axel auf uns wartet. Axel (Singer – der Cheffe) ist Geschäftsführer des Tourismus-Dingens in Bad Peterstal-Griesbach. Er begrüßt uns mit Kaffee und Pflaumen-Streuselkuchen (geht auch, wenn man keine Schwarzwälder Kirschtorte hat). Er begleitet uns auf der Fortsetzung des Wiesensteigs. Und Celine ist parallel unterwegs, um die Autos zu tauschen, sodass ihr Cheffe immer ein Auto am Zielpunkt vorfindet und sie selbst auch mobil bleibt? Sowas kann nur ein Hunsrücker.

Blick vom Waldrand auf eine kleine Ansiedlung, dahinter das gewaltige Panorama der Schwarzwälder Berge

Streuobstwiesen, eine kleine Ansiedlung, dahinter die gewaltige Kulisse der Schwarzwald-Berge (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Axel steckt an mit seiner direkten begeisterenden Art. Er hat selbst Hand angelegt, hat sich Strecken ausgedacht, hat Menschen überzeugt, hat Pfade freigeschaufelt und hat Wege markiert. Er ist der erste von vielen, die für das Wandern in der Region brennen. Es werden noch mehr werden, auch schon an diesem ersten Tag. Und es sind nicht die jungen Menschen, die für ihren Job (irgendwas mit Medien) brennen müssen, nein es sind Menschen, deren stilles Leuchten in den Augen verrät, dass sie wirklich dahinterstehen.

drei winzig kleine Triebe sprießen aus dem toten Holz eines alten Baumstumpfes

Wer genau hinschaut, nimmt die Wunder der Schöpfung auch in den kleinsten Details auf: Werden und Vergehen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Axel zeigt uns die ersten Fernsichten, die ersten steilen Wiesenhänge, verweist auf die Bauern, die mitspielen, indem sie zugestimmt haben, dass der Weg über ihr Land führt.

Ein steiler Wiesenhang, versteckt das Dach eines Bauernhauses, am Gegenhang die bewaldeten Kuppen des Schwarzwaldes

Nur eines der vielen Panoramen im Tal der Rench, die mein Herz haben aufgehen lassen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Es sind dieselben Bauern, die am Rand des Weges Bierbrunnen, Schnapsbrunnen und andere Erfrischungsstationen unterhalten, an denen kein Geld verlangt wird. Spenden sind willkommen.  Es sind Menschen, die ehrenamtlich unterwegs sind, um die Wege instand zu halten, die die Sitzbänke und Liegemöbel unterhalten und reparieren.

Brunnen am Wegrand, in dem Trinkwasser, aber auch Schwarzwälder Edelbrände für den Wanderer bereitstehen.

Noble Geste von Menschen, die für die Wanderwege brennen: Getränkestationen, unterhalten von den Anrainern. Geld wird nicht verlangt, Spenden sind willkommen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Am ersten Tag schaffen wir das geplante Pensum nicht, die letzten drei Kilometer des Wiesensteigs fehlen, das Abendessen ruft. Das findet an diesem Abend gottseidank bei mir im Gasthof statt. So kann ich vorher noch schnell auf mein Zimmer springen, um mich ein klein wenig frisch zu machen. Wir sitzen noch lange nach dem Essen zusammen und als die anderen Blogger müde ihren Betten zustreben (Celine macht wieder den Chaffeur), stehe ich mit Axel noch an der Theke, um ein letztes Pils zu trinken.

Aras, einer der mit eingeladenen Blogger betrachtet die Fotos, die er gerade vom Begrüßungssekt gemacht hat

Blogger müssen Fotos machen. Auch vom Begrüßungssekt. Kritisch betrachtet Aras von wegsite.net seine Aufnahme(n) (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die Nacht ist ruhig, so ruhig, dass ich ganz unruhig werde. Oder liegt es am nahenden Vollmond?

Ich bedanke mich schon nach diesem ersten Tag bei Verena von Best of Wandern, bei den Mitarbeitern des Tourismus-Büros Bad Peterstal-Griesbach (Axel, Maria, Celine, …) sowie bei allen Gastgebern, die uns eingeladen haben. Möglicherweise haben all diese netten Menschen mein Urteil beeinflusst.

Wer war noch mit dabei?

Die Wanderblogger-Truppe (Foto: Axel Singer)

Die im Text schon genannte Jutta von icheinfachunterwegs.de, Christiane und Aras von wegsite.net und Frank von little-disvoeries (https://www.littlediscoveries.net). Mein ganz besonderer Dank hier für den ersten Tag geht an Anna, die uns auf meditative Weise den Weg in die Unendlichkeit zeigte (https://www.nationalparkregion-schwarzwald.de/Media/Veranstaltungen/Meditationswanderung-im-Tal-der-Wilden-Rench), Frank, Celine und Maria von Tourismus-Büro Bad Peterstal-Griesbach, dem Höhengasthaus Herbstwasen für die wunderbare Bewirtung (https://www.herbstwasen.de)

Und von Christiane und Aras gab es ja vor ein paar Tagen schon den ersten Bericht: Ihr findet ihn hier

Bad Peterstal-Griesbach

 

 

4 Kommentare

  1. Schöner Bericht, man meint man war dabei. Ich mag den Schwarzwald sehr gerne. War schon öfters in der Nähe von Freiburg und bin von dort in die Umgebung gestromert. Ich finde auch die Menschen dort sehr nett und gastfreundlich.

    • Hans Joachim Schneider sagt

      Liebe Christiane, lieber Aras. Das freut mich ganz besonders. Einen herzlichen Dank euch beiden.

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