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Wildenburg – ein klein wenig klettern

Felsen zum Klettern, Grüne Bäume, blauer HImmel, dramatische Wolken

Ein Tag in den Felsen

Ungeplant ist meistens besser! Was tun am Sonntag-Nachmittag? Spazierengehen, den Hund ausführen oder lieber zur Wildenburg hoch? Mit dabei sind: Schwester Pia, Neffe Norman und Polly, der Hund. Mir steht der Kopf eher nach Wildenburg und ein bisschen Klettern. Das sag ich aber nicht laut. Mal sehen, was sich ergibt …

Eine steinerne Felsentreppe unter lichtem Grün führt zum Aussichtsturm auf der Wildenburg

Hier beginnt der Aufstieg zum Turm auf der Wildenburg. ich möchte allerdings  lieber in den Felsen klettern (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Also auf zur Wildenburg. Aber nicht ins Wildfreigehege, sondern hoch zum Hexentanzplatz und zu den Felsenklippen, die den Höhenrücken hier krönen und die mich immer wieder – egal wie oft ich schon hier oben war – zum Klettern einladen. Wann war ich eigentlich das letzte Mal am Hexentanzplatz? Ich dachte, es sei im letzten Jahr gewesen. Auf den Aussichtsturm will ich nicht unbedingt, aber zumindest vom alten Plateau runterschauen auf Bruchweiler, Langweiler und die Höhenlinie des Hochwaldes. Danach wieder runter Richtung Hexentanzplatz.

Ein schmaler Pfad im braungelben Gras führt über den Hexentanzplatz zu den Kletterfelsen auf der Wildenburg

Die Sonne hat das Gras am Boden bereits ausgetrocknet. Die Bäume jedoch wirken noch frisch und grün (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und gleich zu Beginn vertue ich mich!  Ich dachte, der Aufstieg sei weiter links, während rechts ein breiter Pfad Richtung Osten läuft, wobei auch noch ausdrücklich auf den Hexentanzplatz hingewiesen wird. Blamier ich mich jetzt vor meinem Neffen und der besten Schwester der Welt? Nein, wir kennen uns zu gut, um uns gegenseitig was vorzumachen. Ich gebe meinen Fehler zu, nachdem ich mich vergewissert habe, dass links tatsächlich kein Weg hochführt.

Umgefallene Bäume, kahle Stämme im ansonsten grünen Wald

Wild wirkt der Wald hier oben und schafft so die richtige Atmospäre für unser kleines Kletter-Abenteuer (Foto: Hans-Joachim Schneider

Noch läuft Polly an der Leine. Was für eine Quälerei für das Tier, wo es hier doch sicher aufregend viel zu riechen gibt! Zu Beginn suchen wir nach einem Stamm, in dem sich Pia mit Mann und Kindern vor Jahren verewigt hat. Ich finde direkt am Hexentanzplatz einen Baum mit verwachsenen Schriftzeichen, kann diese aber nicht entziffern. Später wird sich herausstellen, dass es die gesuchten Schnitzereien sind. Also hat mich mein Riecher doch zum richtigen geführt.

Das Grün der Fichten begrenzt den Ausblick auf den Kletterfelsen auf der Wildenburg

Seit ich das letzte Mal hier oben war zum Klettern, hat sich schon wieder viel verändert (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Gleich hinter dem Hexentanzplatz wächst die erste Felsenmauer aus dem Waldboden. Noch bin ich nicht soweit, gleich in den Fels einzusteigen. Aber mein Neffe reizt mich mit der Frage, ob ich denn nicht klettern wollte? So sei es denn. Will ich ihm was vormachen? Er folgt mir sofort, seine Mutter versucht zu bremsen, wenn auch nicht sehr ernsthaft. Ich muss mich jetzt natürlich ein Stück beweisen.

HIer an diesem Block versteckt sich der Hexentanzplatz, hier beginnt die Kletterpartie über die Felsen auf der Wildenburg

Unscheinbar, so beginnt die Felsmauer am Hexentanzplatz (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Fels ist aufgewärmt von der Sonne, das Moos, das darauf wächst, mehr oder weniger ausgetrocknet und bröselig, somit auch ein wenig rutschig. Das klingt zumindest nach einer guten Entschuldigung. Ich bin nicht so ganz sicher, woran es liegt. Ich habe nicht die ganze Kraft in den Beinen, nicht so, wie ich es sonst kenne. Sind es die Belastungen von den Vortagen? Oder doch eher ein Stück Unsicherheit?

Beim Blick vom Wildenburgplateau stechen einem die abgestorbenen Stämme alter Fichten ins Auge

Jetzt im Sommer, wo alles grünt, ist der Blick vom Plateau etwas begrenzt. Im Nationalpark wird auch keine aktive Forstwirtschaft mehr betrieben (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Unterwegs beruhigt sich die Mutter/Schwester einige Male selbst damit, dass mein Neffe auch als Kind schon hier oben mit seinem Vater rumgeklettert ist. Die Felsen erheben sich immer höher über dem Wanderweg, der seinerseits einige Bögen macht. Wir verlieren den Kontakt zu Pia. Norman ruft nach ihr, sie antwortet nicht.

Verwilderte Landschaft, Kletterfelsen Licht und Schatten auf der Wildenburg

Etwas verwildert wirkt die Landschaft hier oben, eine Wohltat für das Wandererherz (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Es gibt zwei oder drei Stellen, an denen ich zögere, aber Norman hängt doch ein paar Meter zurück. So habe ich jedesmal, wenn ich unsicher bin, auch die Zeit, mich der richtigen Route zu versichern bzw. auch einmal eine Ausweichroute zu suchen. Schließlich kommen wir am Ende der Kette an. Zunächst finde ich keinen leichten Ausstieg. Die Direttissima ist zu gefährlich, dafür müsste ich besser klettern können.

Ein Einschnitt in den Felsen, eine gute Gelegenheit für uns Kletterer in die Mauer einzusteigen

Wie verliebt – naja fast – so umarmen sich die jungen Bäume auf dem Felsgrat (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich umrunde eine Felsspitze rechter Hand und sehe, dass dort eine schmale Leiste weiterführt, von der schließlich ein Abstieg möglich ist. Da wir jetzt zum Wanderweg absteigen werden, ruft mein Neffe noch schnell seine Mutter auf dem Handy an und sagt ihr, wo wir sind.  Wenige Augenblicke später ist Pia auch da.

Braunes von der Sonne getrocknetes Gras begleitet den Abgang von den Kletterfelsen auf der Wildenburg

Hier im Gras hat die Hitze der vergangenen Tage ihre Spuren hinterlassen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Den Rückweg machen wir über den Pfad des Saar-Hunsrück-Steigs, den meine Schwester somit ein zweites Mal läuft. Auf den Felsen habe ich leider keine Fotos gemacht. Aber jetzt auf dem Rückweg nutze ich die Gelegenheit, und fotografiere die Mauer wenigstens von unten. So wirkt sie vielleicht auch ein klein wenig mächtiger.

Ein wenig dramatisch soll es doch aussehen, wenn wir auf der Wildenburg klettern

Ja, da oben waren wir zum Klettern. Es sieht aber von unten dramatischer aus, als es in Wirklichkeit ist (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auf dem Rückweg halten wir noch bei unserer alten Kneipe in Kempfeld an. Damals hat mein Vater sie geführt und ich hab hier nicht selten gekellnert. Daraus ist jetzt ein veritables Hotel mit Koi-Garten geworden. Leider ist dort nicht sehr viel los, fasst muss man sich Gedanken über deren Zukunft machen.

Für Interessierte und Kenner: Hier oben unterhalb der Felsen läuft der Saar-Hunsrück-Steig entlang. Infos dazu findest Du hier: saar-hunsrueck-steig.de

Und hier noch der Link zu einer etwas längeren Tour, die hier oben über den Wildenburger Kopf führt: Tagsüber tanzen die Hexen nicht.

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