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Hexen auf dem Saar-Hunsrück-Steig?

Grüne Eichen, mächtige Felsbrocken, mitten im Wald der alte Hexentanzplatz

Jede Wanderung auf dem Saar-Hunsrück-Steig ist eines einmaliges Naturerlebnis. Aber die hier vorgestellte Etappe ist mein persönliches Bullerbü.

War ich gestern noch ganz begeistert vom »Schönsten Wanderweg Deutschlands 2012«, so hat mich am heutigen Tag der Hunsrück – meine alte Heimat – mit dem Saar-Hunsrück-Steig abermals überrascht. Und das auf einer Strecke, die ich eigentlich kennen sollte. Denn hier bin ich aufgewachsen. Hier in den Wiesen und Wäldern sind wir als Jungs die meiste Zeit unserer Kindheit unterwegs gewesen. Auf dem Wildenburger Kopf sind wir herumgeklettert, haben nach verborgenen Höhlen in den mit Felsbrocken übersäten Hängen geforscht. Hier haben wir im Sommer ganze Tage verbracht, haben darüber fast vergessen, am Abend nach Hause zu gehen.

Ich bin lange nicht hier oben gewesen: Und jetzt auf einmal gehört meine Heimat zu den schönsten Wanderregionen Deutschlands. Aber nicht nur aus diesem Grund bin ich die Tour gelaufen. Sondern weil ich immer wieder gerne hierhin zurückkehre, um mir die Abenteuerspielplätze meiner Kindheit anzuschauen. Eine Kindheit, in der wir unser Glück in der freien Natur fanden – ganz wie in der schwedischen Fernsehserie: Die Kinder von Bullerbü.

Und hier will ich heute wandern

Neben ungezählten alten Wanderwegen führt heute auch der Saar-Hunsrück-Steig mitten durch  meine Heimat. Was ich mir vorgenommen habe, ist eine Strecke, die mehr als doppelt so lang ist (24 km) wie die Hahnenbachtal-Tour vom Tag zuvor. Die wichtigsten Wegpunkte sind: Bruchweiler, Kempfeld, Wildenburg (mit Hexentanzplatz), Hohenfels, Rosselhalden bei Katzenloch, Kirchweiler Festung, Ringskopf, Geopark Krahloch bei Sensweiler, Sensweiler, Langweiler, Bruchweiler. Der Weg folgt teilweise dem Saar-Hunsrück-Steig, verlässt ihn aber dort, wo es mir sinnvoll erscheint.

Schon im Morgengrauen breche ich auf

Ich starte in Bruchweiler (alleine, denn die beste Schwester der Welt hat einen Zahnarzttermin), das Dorf schläft noch. Ich laufe auf Kempfeld zu, dahinter erhebt sich der Wildenburger Kopf mit dem markanten Aussichtsturm, den es in meiner Jugend noch nicht gab. Ein Stück links davon – ein wenig flacher – die Kuppe der Mörschieder Burr. Der Himmel ist grau, ein paar Lichtstreifen schaffen eine wehmütig-melancholische Stimmung.

Herbstliches Grau prägt die Morgenstimmung auf meinem Weg zum Saar-Hunsrück-Steig – nur an wenigen Stellen bricht dezent das Licht der Morgensonne durch (Foto: H.-J. Schneider

Herbstliches Grau prägt die Morgenstimmung – nur an wenigen Stellen bricht dezent das Licht der Morgensonne durch (Foto: H.-J. Schneider

Blick über grüne Felder, im Hintergrund der Horizont mit bewaltedeten Kuppen, dort liegt der Saar-Hunsrück-Steig

Noch ist alles grün, aber der tiefliegende Morgennebel verrät den nahen Herbst (Foto: H.-J. Schneider)

Gegenüber vom Hotel Hunsrücker Fass geht es links ab in Richtung Wildenburg.  Allmählich verlasse ich meinen ehemaligen Heimatort, der Weg steigt gemächlich an. Anstatt nun geradewegs der Straße zu folgen, biege ich hinter dem Sportplatz auf den Forstweg ab, der mich in den Wald hineinführt. Auf ihm geht es nun über die Kuppe zwischen Mörschieder Burr und Wildenburger Kopf.

Markierung für den Saar-Hunsrück-Steig an einer alten Eiche

Kein Zweifel – wir sind auf dem richtigen Weg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auf dem Saar-Hunsrück-Steig nach Westen

Auf der Höhe finde ich dann den Einstieg in den Saar-Hunsrück-Steig. Eigentlich sollte ich hier nach links in östliche Richtung, denn die Mörschieder Burr gehört zweifellos zu den Highlights im Hunsrück. Aber da mein heutiger Plan noch einige Unwägbarkeiten hat, verzichte ich für dieses Mal, schlage mich direkt nach rechts Richtung Wildenburger Kopf. Der Saar-Hunsrück-Steig schlängelt sich auf der Südseite der Höhenzuges Richtung Wildenburg direkt unterhalb des Felsenkammes durch den Wald. Wer es ein bisschen abenteuerlicher liebt, kann auch versuchen, direkt über die Felskanzeln seinen Weg zu suchen. Für einen sportlichen Wanderer ohne allzu große Höhenangst sind die Felsklippen kein Hindernis. Jetzt im Herbst heißt es allerdings aufpassen, denn das Moos auf den Steinen ist feucht, da ist ein wenig Vorsicht angebracht. Schon Kelten und Römer haben sich hier oben aufgehalten. Ein paar wenige, angenehm dezent aufgestellte Infotafeln informieren über Funde aus jener Zeit.

Mächtige Quarzitblöcke am Rande des Saar-Hunsrück-Steigs, mitten im Wld, mit Moosen und Flechten überzogen

Magische Stimmung: Ein von Moosen überwuchertes Felsenband krönt den Wildenburger Kopf (Foto: H.-J. Schneider)

Moose, Flechten, Steine, umgestürzte Bäume: Werden und Vergehen – hier bin ich ein Teil davon (Foto: H.-J. Schneider)

Werden und Vergehen – hier bin ich ein Teil davon (Foto: H.-J. Schneider)

Wo sind die Hexen geblieben?

Was mich in dieser Morgenstimmung am meisten anzieht, und wo ich immer hingehe, wenn ich in der Nähe bin, ist der Hexentanzplatz. Seit Jahren schon versuche ich in der Walpurgisnacht dort oben zu sein, um zu sehen, ob moderne Hexen sich auf dem geschichtsträchtigen Platz treffen, um wild um ein Feuer zu tanzen. Aber so oft ich in den letzten Jahren in der Nacht auf den 1. Mai im Hunsrück war,  hat es wie aus Eimern geschüttet. Tagsüber aber tanzen sie nicht, dafür kann ich meine Hand ins Feuer legen. Trotzdem kann ich mich auch bei Tageslicht dem Bann dieses Platzes nicht entziehen.

Grüne Eichen, mächtige Felsbrocken, mitten im Wald der alte Hexentanzplatz

Die Phantasie treibt wuchernde Blüten, der Verstand wehrt sich: Hexentanzplatz (rechts) auf dem Wildenburger Kopf (Foto: H.-J. Schneider)

Blick vom Aussichtsturm auf der Wildenburg: Nebelbänke, Nebelschwaden – verhüllen die Dörfer auf der Hochfläche (Foto: H.-J. Schneider)

Blick Richtung Norden: Nebelbänke verhüllen die Dörfer auf der Hunsrück-Hochfläche (Foto: H.-J. Schneider)

Aber auch der stärkste Bann ist mal gebrochen, schnell erreiche ich den Wildenburger Kopf, steige auf den Turm, um den faszinierenden Rundumblick zu genießen. Das trübe Wetter und der Frühnebel, der aus dem Tal mit der Steinbachtalsperre aufsteigt, aber begrenzen die Sicht. Wieder verzaubern einige Lichtstreifen am ansonsten grauen Himmel die Stimmung. Die Anlage am Fuß des Turms – ehemalige Burg und später Amtssitz – ist gründlich restauriert. Eine feste Gastronomie wird es aber auch in der Zukunft hier nicht geben, die historischen Gebäude werden vom Hotel in Kempfeld für Hochzeiten und ähnliche Feiern genutzt.

Höhenzug bedeckt mit Laubwald, Blick vom Wildenburger Kopf auf die Mörschieder Burr, den Schwesterberg des Wildenburger Kopfes

Wildnis und Weite: Blick vom Wildenburger Kopf hinüber zum Schwesterkopf – die Mörschieder Burr (Foto: H.-J. Schneider)

In der gegenüberliegenden Richtung grüßen die Steinbachtalsperre und das alte Köhlerdorf Langweiler (Foto: H.-J. Schneider)

In der gegenüberliegenden Richtung grüßen die Steinbachtalsperre und das alte Köhlerdorf Langweiler (Foto: H.-J. Schneider)

Vom Wildenburger Kopf talwärts Richtung Katzenloch

Nun laufe ich vorbei am Wildfreigehege, fast schnurgerade durch den Wald Richtung Katzenloch, bis mich einige Zeit später ein Schild nach links auf einen schmalen Pfad Richtung Hohenfels schickt.

Abstecher zum Hohenfels

Die Zeit für diesen Abstecher nehme ich mir. Im Buchenwald leicht bergauf steigend, überfallen mich Erinnerungen an Jugendjahre. Bald lichtet sich der Wald, vor mir liegt die erste von mehreren Rosselhalden, die ich heute noch zu sehen bekomme. Der ganze Hang ist ein einziges Felsenmeer, so als sei hier in vorgeschichtlicher Zeit eine riesige Steinlawine abgegangen. Die Steinschicht ist dabei so mächtig, dass eine höhere Vegetation bisher keinen Fuß fassen konnte. Am Rande der Halde haben sich vornehmlich Birken angesiedelt.

Ein schmaler Felsenpfad führt um eine Wegbiegung: Für einen winzig-kleinen Moment wähne ich mich in einem japanischen Samurai-Film (Foto: H.-J. Schneider)

Für einen winzig-kleinen Moment wähne ich mich in einem japanischen Samurai-Film (Foto: H.-J. Schneider)

Der Pfad schlängelt sich durch das Felsenmeer, ein wenig erinnert mich die Landschaft an japanische Tuschezeichnungen. Noch ein, zwei Wegbiegungen, dann stehe ich am Hohenfels, einer Felskanzel, die ein wenig aus dem Geröllmeer hervorsticht. Direkt unter mir liegt das kleine Örtchen Katzenloch.

Nicht besonders hoch ist der Hohenfels, aber hoch genug, um eine schöne Aussicht zu genießen (Foto: H.-J. Schneider)

Nicht besonders hoch ist der Hohenfels, aber hoch genug, um eine schöne Aussicht zu genießen (Foto: H.-J. Schneider)

Vom Hohenfels aus erfasst der Blick die Orte Wirschweiler, Sensweiler und Langweiler (Foto: H.-J. Schneider)

Wieder der Geröllpfad durch das Steinmeer

Menschen schaffen Wege durch das Unbehauste (Foto: H.-J. Schneider)

Ich schlage mich (jetzt mit dem Hohenfels im Rücken) nach halbrechts über die Kuppe, zunächst ohne Weg ein Stück durch den Wald, dann auch dort quer über die Blöcke der dortigen Rosselhalde. Manch einer der Steine wackelt unter meinen Füßen, also auch hier heißt es aufpassen, wohin man tritt. Am gegenüberliegenden Ende der Halde erreiche ich wieder den Wald. Bald stoße ich auf einen Weg mit Markierung, ich orientiere mich jetzt Richtung Kirschweiler und Geopark. Der führt mich dann bald in Serpentinen mitten durch eine der größten Rosselhalden dieses Hanges bergab.  Wieder bin ich fasziniert vom Gestaltungsreichtum der Natur.

Unwegsames Steinmeer, die sogenannte Rosselhalde am Saar-Hunsrück-Steig

Felsenmeer, Geröllhang oder Rosselhalde – auf jeden Fall kein Weg (Foto: H.-J. Schneider)

Menschen schaffen Wege – für die, die nach ihnen kommen (Foto: H.-J. Schneider)

Menschen schaffen Wege – für die, die nach ihnen kommen. Immer wieder geht mir durch den Kopf, wer diese Wege hier angelegt hat (Foto: H.-J. Schneider)

Abenteuerliche Namen: Bärloch und Kirschweiler Festung

Schnell geht es hinunter ins Tal des Idarbaches. Auf der anderen Talseite wartet der längste Anstieg dieser Tour. Innerhalb von etwas mehr als einer halben Stunde geht es durch den Wald – vorbei am Bärloch (keine Angst, Bären wurden hier schon lange nicht mehr gesehen, auch keine Problembären) – hinauf zur Kirschweiler Festung. Auch hier gaben sich Kelten (Kultstätte) und Römer (Grenzposten) die – nicht vorhandene – Klinke in die Hand. Wieder erklimme ich die Felsen, wieder genieße ich die Sicht auf die umliegenden Dörfer.

Als nächstes wartet nun der Ringskopf. Der Weg ist ausgeschildert. Es geht weiter in westlicher (WSW) Richtung. Im niedrigen Jungwald dann kurz ein Zögern. Der Saar-Hunsrück-Steig will nach rechts, ich will aber geradeaus. Das Problem: Der Weg geradeaus ist fast überwuchert, die zugehörigen Schilder (Sirona-Weg und Hunsrückhöhenweg) sind verwaschen und kaum noch lesbar. Für ein paar Minuten lasse ich mich tatsächlich verunsichern. Soll ich dem aktuellen Trend folgen, der immer neue Steige, neue Premiumwanderwege sucht, um dem Wandertouristen neue Leckereien auftischen zu können? Oder soll ich meiner ursprünglichen Idee folgen? Natürlich interessiert es mich, wie der Saar-Hunsrück-Steig hier verläuft, aber das würde heißen, den Ringskopf zu ignorieren.

Abkehr vom Saar-Hunsrück-Steig

Also weiter in der ursprünglichen Richtung. Kurz vor dem Ringskopf begegne ich Pilzesammlern aus Allenbach. Der Ringkopf ist eine weitere keltische Anlage hier im Hochwald. Sie liegt auf einem Plateau auf etwa 650 m Höhe.

Ein paar feucht schimmernde Pilze im Walddickicht: Ich bewundere ihre Schönheit.

Essbar oder nicht – das interessiert mich gerade nicht. Ich bewundere nur seine Schönheit (Foto: H.-J. Schneider)

Vom Ringkopf schlage ich mich nun ohne Weg in nordwestlicher Richtung (NNW) durch den Wald – alten Schneisen ohne Weg folgend. Als ich auf einen Forstweg treffe, laufe ich nach links, biege dann aber wieder nach rechts in den Wald. Ich kreuze einen weiteren Weg – und dann mache ich den Fehler und gehe abermals links anstatt nach rechts. Nach einiger Zeit stehe ich an der B422, das war auch mein Plan, aber ich wollte eigentlich direkt gegenüber vom Geopark Grahloch die Straße queren, stattdessen befinde ich mich kurz vor Allenbach. Bei der Wirschweiler Mühle wechsle ich über den Idarbach. Hier geht es nun nach rechts auf einem idyllischen Auenweg durch das Tal Richtung Geopark. Der Weg zieht sich, aber irgendwann habe ich ihn dann doch geschafft. Aber meinen Zeitplan kann ich nun endgültig vergessen.

Ein Mann muss wissen, wann er aufgibt

Da ich den Geopark Krahloch kenne (hier befand sich vor Jahrzehnten die offene Müllkippe von Sensweiler – hier entsorgte jeder seinen Müll, eine öffentliche Müllabfuhr gab es nicht), stiefele ich am alten Galgenhügel vorbei direkt Richtung Sensweiler. Hier habe ich die ersten zehn Jahre meines Lebens verbracht. Niemand ist auf der Straße, der mir noch bekannt vorkäme. Das Reststück des Weges über Langweiler nach Bruchweiler muss ich mir nicht nur aus Zeitgründen schenken. Also rufe ich meine Schwester an, ob sie mich abholen kann.  Sie kann. In der Zwischenzeit steht die Sonne wieder am Himmel. In Bruchweiler sitzen wir dann im Garten, unter dem Schwenkgrill brennt das Buchenholzfeuer. Dazu eine Flasche Bier in der Hand – ein wunderbarer Abschluss für einen wunderbaren Wandertag.

Mehr Infos zum Saar-Hunsrück-Steig findest hier!

Eine weitere interessante Wanderung im Bereich dieser Tour ist die Traumschleife Köhlerpfad bei Langweiler.

 

3 Kommentare

  1. Pingback: Wildenburg – ein klein wenig klettern – Anders Wandern

  2. Thomas Wild sagt

    Hallo Joachim,

    guter Bericht. So ähnlich erkunden wir die Gegend mit unserem Hund, den wir seit einem Jahr haben.

    Was machen wir nächstes Jahr? Organisieren wir was gemeinsam?

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