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Ahrtal erleben – Tag 1 und 2

Ahrtal erleben – auch für Nordlichter

Obwohl ich mittlerweile in Schleswig-Holstein wohne, führt mich mein Weg immer wieder ins Ahrtal. Eine große Liebe verbindet mich mit dieser Landschaft, die für mich einmalig in Deutschland ist.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Blick aus dem Weinberg auf die Ruine der Saffenburg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Blick aus dem Weinberg auf die Ruine der Saffenburg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Da bin ich also wieder. Am Samstag angereist, und zwar mit der Bahn aus Hamburg. Der Reisetag beginnt mit großem Chaos. Im Kopf habe ich, dass der Zug 7.30 Uhr in Hamburg am Hauptbahnhof abfährt. Aber irgendwie ist mir komisch bei dem Gedanken. Und kaum sind wir in der Stadt, kommt mir die Idee, doch mal auf mein Ticket zu gucken.

Soll man zwar nicht während der Fahrt, vor allem wenn man hinter dem Lenkrad sitzt, aber das ist jetzt wichtig. Und tatsächlich: Laut Ticket steige ich in Hamburg-Altona ein, der andere große Fernbahnhof in Hamburg. Jetzt wird es zeitlich eng. Ich sehe mich schon am Bahnsteig stehen und dem Zug nachwinken. Jetzt heißt es Gas geben – in der Stadt. Wird sofort geahndet. Zwar versucht ein freundlicher älterer Herr hinter mir, mich mit Aufblenden davor zu warnen, aber als ich kapiere, was er mir sagen will, hat der böse rote Blitz schon mein Konterfei abgelichtet. Es ist nicht das erste Mal in Hamburg. Die mögen mich hier nicht, zumindest meinen Fahrstil. Vielleicht sollte ich mich als Model für Radarfallen bewerben.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Panoramen vom Steinerberg, eines faszinierender als das andere (Foto: Norbert Schneider)

Panorama vom Steinerberg, nur eines von vielen, die das Ahrtal bietet (Foto: Norbert Schneider)

Aber wir schaffen noch den Zug. Fast fünf Minuten vor der Abfahrt sind wir in Altona. Die Zeit reicht aber nicht mehr für eine herzliche Verabschiedung, weil ich aus dem Auto rausspringe und meine Gepäck grabsche, statt meine Frau. Aber wir haben gewonnen. Oder anders ausgedrückt: Die Engel waren auf unserer Seite.

Der Zug steht leer im Gleis. Er startet hier. So kann ich mir einen beliebigen Sitzplatz aussuchen, kann mich ausbreiten und freue mich, dass ich nun mehrere Stunden lesen kann. Und dann muss ich nach einer kurzen Fahrt feststellen, dass der Zug in den Hamburger Hauptbahnhof einfährt …

In Bonn steige ich nach fast fünf Stunden um, in weniger als einer bin ich in Ahrweiler. Vom Bahnhof zum Hotel Lindenmühle ist nur ein kurzer Weg. Ich kenne das Haus von einem Besuch vor ca. 6 Jahren. Anlässlich der AhrSteig-Eröffnung war ich hier einquartiert.

Hotel Lindenmühle im Morgenlicht

Hotel Lindenmühle in Ahrweiler – hier habe ich mich wohlgefühlt (Foto: Hans-Joachim Schneide)

Ahrtal erleben: im richtigen Hotel

Es ist ein sympathisches, übersichtliches Fachwerkhaus, das gerade in kleinen Schritten restauriert wird, sodass die Gäste nicht gestört werden. Auch in den Zimmern dominiert Holz. Nachdem ich das meine bezogen habe, bin ich schnell in den Klamotten zur ersten Aufwärmrunde. Seit ich im Norden wohne, habe ich nur noch Flachlandtouren gemacht. Und in den letzten Wochen habe ich häufig Probleme mit den Knien gehabt.

Als kleinen Test, der am Nachmittag noch zu schaffen sein sollte, gehe ich am Ahrufer entlang nach Bad Neuenahr, dort dann am Bahnhof vorbei und weiter Richtung Flugplatz. Dort zweigt dann der Rotweinwanderweg ab, wohl einer der bekanntesten deutschen Themenwanderwege. Der führt mit leichten Steigungen durch die Weinberge nördlich der Ahr. Diese »leichten Steigungen« machen mir schnell zu schaffen. Meine Knie schmerzen. Sie fühlen sich an wie verkleistert.

Ahrtal erleben inmitten der grünen Rebstöcke auf dem Rotweinwanderweg

Noch hat die Laubfärbung im Ahrtal nicht eingesetzt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Sobald der Weg wieder eben verläuft, bessert sich dieses verklebte Gefühl, die Schmerzen lassen schnell nach. Statt der geplanten 10 km laufe ich nur 6. Das muss genügen. Was wird aus meiner Wanderwoche? Und vor allem: Wie soll ich den Wandermarathon nächstes Wochenende überstehen?

Ahrtal erleben, Weinstöcke, Himmel, Hügel, Horizon

Am ersten Abend ist der Himmel über dem Rotweinwanderweg noch etwas verhangen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zurück im Hotel dusche ich mich und lege mich aufs Bett. Ein paar Mal krampfe ich in den Waden. Aber das geht schnell wieder weg. Für den Sonntag plane ich trotz allem eine längere Tour.

Ahrtal erleben: fünf Tage, fünf Touren

Zum Einlaufen geht es zunächst mal auf der Strecke vom vorigen Abend wieder zurück. Schnell merke ich, dass Knie und Beine viel besser mitspielen als tags zuvor.

Ahrtal erleben, blauer Himmel, Kondensstreifen, Chemtrails

Der Himmel erstrahlt heute Morgen in einem tiefen Blau (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Himmel ist heute Morgen so strahlend blau, wie er an einem schönen Herbstmorgen nur sein kann. Aber er ist überzogen mit Kondensstreifen. Tatsächlich sieht es so aus, als wollten die vielen Flieger ein Häkelmuster vor dieses Blau zeichnen. Bisher habe ich bei dem Thema Chemtrails nur mit den Schultern gezuckt. Aber heute Morgen fange ich an, unsicher zu werden.

Wie so oft im Herbst, wenn ich hier wandere, fallen mir die vollreifen süßen roten Trauben auf, die links und rechts des Weges rufen: Pflück mich! Aber als verantwortungsvoller Wanderer lasse ich mich natürlich nicht von diesen Rufen verlocken.

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Saftig, schwer und süß hängen die roten Trauben am Stock und versprechen einen hervorragenden Weinjahrgang (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich laufe nicht ganz bis zu dem Punkt, wo ich am Vorabend den RWW begonnen habe. Ich biege kurz vorher links ab und folge den Hinweisschildern Heppinger Berg. Achtung, wer diese Tour nachwandern will, sollte auf Folgendes achten: Besagte Hinweisschilder zeigen in beide Richtungen. Es gibt also mehrere Wege, die zum Heppinger Berg führen. Ich wähle den linken, in nördliche Richtung führenden, der am Sportflugplatz vorbeiführt.

Ahrtal erleben auch in kleinen Details, hier Schmetterling auf einer Distelblüte

Kleine Entdeckung am Wegesrand, auch darin ist das Ahrtal voll (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mein eigentliches Ziel ist die Landskrone, denn dort bin ich – der das Ahrtal fast auswendig kennt – noch nicht gewesen. Sie lag des Öfteren nah am Weg, aber immer hatte ich anderes im Sinn. Aber ein Gespräch vom gestrigen Abend mit meiner Liebsten, die ja zu Hause geblieben ist, über Kaiser Barbarossa und seine Kinder hat mich neugierig auf die Ruinen dieser ehemaligen Stauferburg gemacht. Sie wurde wohl von einem Sohn des Staufenkaisers errichtet.

Ackerland auf dem Weg zum Sportflugplatz bei Bad Neuenahr

Nur eine begrenzte Fläche im Ahrtal wird Landwirtschaftlich genutzt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich laufe also Richtung Flugplatz, das dortige Café hat zurzeit leider keinen Pächter. Deshalb gehe ich daran vorbei, folge dem Weg parallel zum hiesigen Schießstand. Hinter dem mannshohen Wall wird heute Morgen eifrig geübt. Der Schießstand ist scheinbar ein offener unter freiem Himmel, jedenfalls knallt es ununterbrochen zu meiner Rechten.

Wer scih beim Wandern an der Landskroner Kapelle (das ist der Weiße Fleck unterhalb des Gipfels) orientiert, wird sich kaum verlaufen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ahrtal erleben: ohne Wegmarkierung

Hier hat es dann auch vorübergehend keine Wegmarkierung mehr, aber wer die Kuppe des Heppinger Berges mit der Landskroner Maria-Hilf-Kappelle im Blick behält und seinen Weg immer in etwa in dieser Richtung beibehält, geht kaum verkehrt. Vorbei an einem großen Strommast stoße ich dann bald wieder auf den Rotweinwanderweg.

Ahrtal erleben, auch wenn das kleine Café geschlossen hat

Das kleine Café auf dem Sportflugplatz hat zurzeit leider keinen Pächter (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der führt mich zunächst unter der Talbrücke der A61 hindurch, stets weiter bergab bis zum Ortsteil Gimmigen. Her geht es kurz nach links dann wieder rechts – den Wegmarkierungen folgend auf einer langen, langen Treppe in den Wald hinauf! Das ist jetzt die Nagelprobe für meine Knie. Nachdem ich den Weg bisher ohne große Beschwerden gemeistert habe, kommt es nun darauf an. Und es klappt, meine Knie halten auch dieser Belastung stand.

Autobahnbrücke von unten

Blick auf die mächtigen Betonfüße der Autobahnbrücke über das Ahrtal (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Weg hoch zur Kapelle windet sich über ungezählte Serpentinen durch den Mischwald bergauf. Da ich heute viel Zeit habe, gehe ich es gemütlich an. Mehrfach kreuze ich breite Waldwege, aber die Wegmarkierungen (jetzt nur noch Landskroner Kapelle) verweisen immer auf den schmalen Pfad.

Ahrtal erleben: mit Marias Hilfe

Maria hilf, leider hat sie mir nicht geholfen, das Innere der Kappelle zu erleuchten (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dann öffnet sich plötzlich der Wald und ich stehe vor der Kappelle. Die ist bedauerlicherweise verschlossen. Sie stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Durch ein Glasfenster in der Tür kann man ins Innere schauen. Das lohnt sich aber nur, wenn man gleichzeitig 50 Cent in den Automaten wirft, der dann für 3 Minuten das Licht in der Kapelle einschaltet. Groß steht unterhalb des Giebels der Name der Kapelle (Maria Hilf), darunter auf einem Gitter über einer Madonnenfigur: Maria hat geholfen. Mir hat sie nicht geholfen, denn ich hatte keine 50 Cent dabei und ohne Geld wollte sie nicht das Licht einschalten. Vielleicht habe ich nicht inständig genug gebetet.

Ahrtal erleben: Von der Burg sind nur wenige Reste erhalten, darunter dieser Brunnen

Als erstes stößt man auf den alten Brunnen der Burg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Vom Stauferkaiser und seinen Kindern

Von der Kapelle geht es ein paar Schritte zurück auf dem Weg, dann zweigt rechts der Pfad hoch zur alten Burgruine ab. Zunächst stoße ich auf den Mauerrest des alten Tores, wenig später auf einen alten Brunnen. Dann geht es noch weiter bis zu den Resten der alten Oberburg, Viel ist von dem allen nicht erhalten. Aber so lenkt auch wenig von dem herrlichen Rund-um-Blick ab, den man vom Plateau mit dem Gipfelkreuz hat. Wären da nicht ein paar Büsche und Hecken hinter dem Gipfelkreuz, hätte ich ein 360-Grad-Panorama.

Ahrtal, Autobahn, Autobahnbrücke

Weit schweift der Blick in die Runde: hier in Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nun noch ein paar Fotos von mir selbst (lässig ans Gipfelkreuz gelehnt), dann noch einmal ein Blick über das gesamte Areal und schon verlasse ich die Ruine wieder.

Ahrtal – lässig am Kreuz – erleben

Yo, ich so, lässig am Kreuz (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Um nicht den selben Weg wieder zu nehmen wie beim Aufstieg (wie langweilig), wende ich mich dann an der ersten Abzweigung nach rechts, am Waldrand dann wieder rechts und steige dann vorbei  an der offenen Feldflur beim nächsten Querweg wieder rechts Richtung Heimerzheim (ohne Beschilderung) auf breitem Weg durch den Wald ab.

Ahrtal erleben: Gipfelkreuz vor blauem Himmel

Das Gipfelkreuz auf dem Heppinger Berg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dort, wo ich aus diesem heraustrete, stoße ich auf die Betonpiste des RWWW, wende mich nach rechts, aber nur, bis linker Hand ein steiler Asphaltweg hinunter nach Heimerzheim führt. Ich stoße gleich am Beginn des Ortes auf den Bahnhof, wo ich ein Viertelstündchen auf die Ahrtalbahn warte, die mich in drei Minuten nach Bad Neuenahr bringt.

Mauerreste des alten Burgtores

Vom ehemaligen Tor zur Oberburg ist nur noch ein kleiner Mauerrest erhalten (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hier treffe ich mich mit Freund Michael , um bei Da Renato den besten Capuccino im ganzen Ahrtal zu trinken.

Lust das Ahrtal selbst zu entdecken? Dann gibt es Infos hier: Ahrtaltourismus

Lust auf das nette kleine Hotel, das ich nur empfehlen kann? Hotel Lindenmühle

Auch Freund Michael betreibt ein sehr empfehlenwertes Hotel direkt gegenüber der Spielbank: Hotel Central

Und hier noch eine Zusammenstellung von Links mit meinen schönsten Beiträgen zum Wandern im Ahrtal und Ahrgebirge:

 

Und hier ein paar Wandervorschläge, um das Ahrtal kennenzulernen:

Für Genussgeher: Einfach einzelne Etappen des Rotweinwanderweges gehen:

www.rotweinwanderweg.de

Für Sportliche – die neue AhrSteigetappe von Kreuzberg nach Walporzheim!

Endlich ein durchgehender AhrSteig

Für Kletterfreudige – eine Tour über mehrere Gipfel rund um Altenahr!

The Seven Summits (rund um Altenahr)

Für Wehmütige – die Novemberabschiedstour!

Abschied im November

Für Freunde der alten AhrSteig-Verbindungswege (AV1 und AV2):

auf dem alten AV1: Des Königs neue Kleider

und für den alten AV2: Waldeinsamkeit auf dem Königsweg

Für Menschen mit Humor (beim Lesen):

Wie ich einmal ohne Frau E. aufs Steinerbergplateau stieg!

 

Und hier eine Bücherliste zum Thema Wandern im Ahrtal:

Es handelt sich hierbei um Bücher, deren Thema ausschließlich Wanderungen im Ahrtal sind. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Publikationen, etwa mit Wandertouren in der Eifel, in denen auch einzelne Touren im Ahrtal vorkommen. Diese alle aufzuführen, würde den Rahmen dieser Liste sprengen.

Die Ahr: 31 Touren – Mit Ahrtalweg und dem gesamten RWWW, Peter Squentz, Bachem Verlag, 14,95 EUR. (Hinweis: Dieses Buch ist 2011 erschienen und enthält deshalb keine Touren auf dem AhrSteig, der ja erst 2012 eröffnet wurde.)

Rund um Bad Neuenahr-Ahrweiler – Die 15 schönsten Wanderwege, Kerstin Goldbach, Bachem Verlag, 14,95 EUR

Wanderführer AhrSteig und Rotweinwanderweg, Hans-Joachim Schneider, DuMont Reiseverlag, 12,99 EUR

AhrSteig Wandern mit Rotweinwanderweg, Olaf Goebel, Idee Media Verlag, 11,95 EUR

AhrSteig mit Rotweinwanderweg und Ahr-Radweg, Jürgen Plogmann, Rother Wanderführer, 11,90 EUR

4 Kommentare

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  3. Ein sehr schöner Bericht mit tollen Fotos!
    So, bist du also in den hohen Norden gezogen. Warst du nicht vor Kurzem erst nach Bitburg gezogen, oder verwechsel ich dich mit jemand anderem?
    Der Norden ist auch schön!
    Gruß
    Aurora

    • Hans Joachim Schneider sagt

      Liebe Aurora, Du hast recht. Ich bin mehrfach umgezogen in den letzten zwei Jahren: Im Sommer 2016 bin ich von Köln in die Eifel gezogen. Zunächst auf ein kleines Dorf namens Ammeldingen. Dann bin ich beruflich bedingt nach Bitburg, was ca. 30 km von Ammeldingen weg war. Nach einem Jahr in Bitburg habe ich eine tolle Frau aus der Hamburger Ecke kennengelernt. Also schnell eine Stelle in Hamburg gesucht und seit 1. Juli bin ich offiziell Schleswig-Holsteiner. Danke für Deine Komplimente. Schöne Grüße, Joachim

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