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Ahrtal erleben – Tag 3

Ahrtal erleben, Blick auf Rech

Steinthalskopf, Katzlei und … dann doch der AhrSteig

Den AhrSteig kenn’ ich wie meine Westentasche. In dieser Wanderwoche wollte ich das Ahrtal jenseits von AhrSteig und Rotweinwanderweg erkunden. Aber das gelingt nicht immer, denn egal, wie ich auch gehe, immer wieder kreuze ich einen der beiden Wege.

Es ist der dritte Tag meiner Urlaubs, heute heißt es, das freundliche kleine Hotel Lindenmühle zu verlassen. Es ist auch der letzte Tag in Ahrweiler. Den Abend verbringe ich mit einem kleinen Abschiedsspaziergang durch die jetzt ruhiger gewordene Altstadt mit den verschiedenen Altstadttoren.

Ahrtal erleben, Ahrweiler erleben, den Abend genießen, Stadttor

Ahrweiler Abendspaziergang, Blick durch ein Stadttor (Foto: Hans-Joachim Schneider)

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Am anderen Ende der Altstadt – ein weiteres Stadttor (Foto: Hans-Joachim Schneider)

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Trutzig steht die Stadtmauer und beschützt die Altstadt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ahrtal erleben: der Plan

Mein heutiger Plan sah vor, über den Steinthalskopf zur Katzlei zu laufen und dann von dort über den Ahrtalweg bis Rech. Nach dem Frühstück im Hotel Lindenmühle regele ich den Gepäcktransport, bedanke mich noch für die freundliche Bewirtung und dann gehe ich los. Über mir dehnt sich der blaue Himmel, die Sonne strahlt mal wieder, als hätte sie das alleinige Sorgerecht über uns Menschen.

Haus, Hotel, Morgenlicht, blauer Himmel, Lindenmühle

Abschied von einem kleinen gemütlichen Hotel (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Draußen vor der Tür zögere ich noch ein wenig, weiß noch nicht so recht, wohin ich mich wenden soll. Ich will beim Kloster Calvarienberg vorbei Richtung Maibachfarm. Aber wie finde ich jetzt den kürzesten Weg? Den entdecke ich aber dann doch schnell, indem ich auf Google Maps nachschaue.

Ahr, Fluss, Ufer, trocken, Sonne, Morgenlicht erleben

Zunächst geht es an der Ahr entlang (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hinweis: Wer mit der Bahn anreist, folgt vom Bahnhof Ahrweiler einfach der Beschilderung AhrSteig Zuweg (senfgelbes AhrSteig-Symbol). Dieses führt automatisch zum Kloster Calvarienberg, weil hier auch der AhrSteig vorbeiläuft.

Auf dem sonnenbeschienen Weg am Kloster vorbei

Durch diese hohle Gasse … geht es am Kloster Calvarienberg vorbei (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Neben dem Kloster, das jetzt leersteht und von einem Investor (das sind die grauen Herren aus Momo) gekauft wurde, befindet sich das Gymnasium Calvarienberg (steht so in weißer Schrift auf rosa Untergrund über dem Eingang) Jetzt fehlt nur noch das Einhorn. Coole Kids ähem … junge Menschen sitzen gelangweilt in der Sonne und chillen.

Es geht noch ein ganzes Stück weiter geradeaus, an einem Parkplatz vorbei. Linker Hand begleiten Weinberge den Weg, rechts unten versteckt sich die Wingsklamm. Knapp 50 Meter hinter der Kurve, hinter der das Gelände der Maibachfarm beginnt, geht es dann rechts auf einen schmalen Weg in den Wald. Auf diesem bleibe ich für eine ganze Zeit.

Ahrtal, Wald, Weg, Grün, Schatten, Ahr

Im schattigen Wald ist es am Morgen noch recht kühl (Foto: Hans-Joachim Schneider)

An allen Abzweigungen orientiere ich mich immer an dem Weg, der weiter bergauf führt. Das ist im Grunde genommen immer der Hauptweg. Irgendwann biegt der nach links ab, ein schmaler Abzweig führt aber immer noch weiter geradeaus. Darauf bleibe ich. Der macht kurze Zeit später ebenfalls einen Schlenker nach links. Der schmale Weg, hier deutlich erkennbar wenig benutzt, ist dann stellenweise auch schon etwas zugewachsen. Aber für Wanderer immer noch leicht zu meistern.

Grün, Wald, Weg, Wegkreuzung

An dieser Stelle verlasse ich den Hauptweg, der nach links schwenkt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nach einigen Hundert Metern zweigt ein noch schmalerer Pfad von diesem Weg rechts ab. An der Gabelung befindet sich eine kleine Markierung an einem Baum, die auf Rundweg 15 hinweist. Das grüne Schild ist aber erst dann richtig zu erkennen, wenn man auf den schmalen Pfad abgebogen ist.

Baum, Schild, Markierung, grün, 15, Rundgang

Leider ist das Schild mit der Markierung erst recht spät zu erkennen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nun geht es noch einmal ein bisschen steiler bergan bis zu einem Querweg. Linker Hand an einem Wegabzweig steht eine Schutzhütte. Ich biege nach rechts auf den nun breiten Wirtschaftsweg ab.

Den steilsten Teil habe ich fürs erste geschafft. Nachdem ich vorher zunächst den typischen Buchenmischwald und später dann den dunkleren Fichtenwald hinter mir gelassen habe, empfängt mich hier oben das heitere Gemisch aus Kiefern und niedrigen Eichen, das als Bewuchs so typisch für den Schieferboden auf den Höhen des Ahrgebirges ist.

Wald, Weg, Kiefern, Blau, blauer Himmel

Auf der Höhe dominiert der Kiefernwald, dazwischen mischen sich Krüppeleichen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Bald scheint auch die letzte Steigung geschafft, der Weg verläuft nun fast ohne Höhengewinn bis zur Hütte am Fuß des Steinthalskopfes. Der wiederum ist bekrönt mit einem hölzernen Aussichtsturm. Direkt am Weg empfängt mich eine Schutzhütte, die aber wenig einladend aussieht. Es gibt schönere Türme mit besseren Aussichten, trotzdem führt mich der Weg die hölzernen Stufen hinauf, wo ich den weiten Blick genieße.

Kreuz, geschmiedet, Stahl

Ein geschmiedetes Kreuz ziert den Sockel, auf dem der Aussichtsturm auf dem Steinthalskopf steht (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Abstieg ins Tal bzw. zur Katzlei erfolgt über den Weg ganz rechts. In mehreren Serpentinen geht es auf steinig-schiefrigem Untergrund bergab. An Abzweigungen halte ich mich immer rechts talwärts. Wobei das stimmt nicht ganz: Kurz nach Beginn des Abstiegs führt rechts ein etwas breiterer Weg in den Kiefernwald hinein. Diesen ignoriere ich noch. Bei den folgenden Abzweigen bzw. Kreuzungen gilt aber obige Vorgabe.

Hecken, Wald, Bäume, Sonnenlicht, grün

Während sich am gegenüberliegeden Hang das Laub schon bunt färbt, steht hier auf der Nordseite des Steinthalkopfes noch alles im Grün (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schließlich passiere ich das Hinweisschild zur Katzlei, einem Aussichtspunkt, den ich bisher immer links habe liegen lassen. Über Stock und Stein, sprich über einen schmalen Pfad der über kleine Kuppen klettert, erreiche ich schließlich diesen kleinen Aussichtspunkt mit Schutzhütte oberhalb der Ahr.

Blick, Weitblick, Ahrweiler, Kloster, Horizont

Nach rechts fällt der Blick von der Kanzel der Katzlei auf Ahrweiler (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Von der Kanzel erkenne ich die Bunte Kuh, den gleichnamigen Aussichtpunkt ein ganzes Stück weiter oberhalb der Weinberge, die Ahr, die Ahrtalstraße, die Schienen der Ahrtalbahn und den daneben laufenden Radweg.

Weinberge, Fluss, Tal, Brücke, Bahnlinie, Straße

Die Talenge unterhalb der bunten Kuh teilen sich der Fluss, der Radweg, die Straße und die Bahnlinie (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich bleibe nicht lange alleine. Ein Pärchen nähert sich der Hütte, er mit einigem Vorsprung. Als Held erkundet er das Terrain. Erst wenn dieses gesichert ist, kommt die Dame nach. Wie archaisch doch unser Verhalten in solchen Momenten ist. Nachdem ich Ihnen auf die Frage der Dame ein paar Hinweise zum vermutlich besten Abstieg gegeben habe, schultere ich meinen Rucksack und verabschiede mich.

Weinberg, Wingert, Weinbergsmauern, Weinreben, Weinstöcke

Im Steilhang gegenüber der Katzlei erkennt man die schwierigen Verhältnisse in den hiesigen Wingerten (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Abstieg von der Katzlei hinunter zum Wanderparkplatz hinter der Steinbrücke über die Ahr ist schmal und wegen des trockenen Wetters besonders rutschig. Wie das? Der Untergrund besteht aus pudrigem Staub, durchsetzt mit Schiefersplittern. Da setze ich meine Füße vorsichtig einen vor den anderen. Aber auch das ist bald geschafft und ich stehe jetzt am Kopf der Steinbrücke. Und hier stoße ich natürlich wieder auf das AhrSteig-Symbol. Er teilt sich ab hier den Weg mit dem Ahrtalweg.

Wer mit der bisherigen Leistung zufrieden ist, und sich nach Kaffee und Kuchen oder einem Gläschen Roten Burgunder sehnt, kann jetzt über die Ahr hinweg nach Walporzheim hineinlaufen, wo auch die Ahrtalbahn abfährt.

Ich will aber noch weiter. Der Ahrtalweg ist eine schöne Alternative für Wanderer, die immer in der Nähe der Flusses von dessen Quelle in Blankenheim bis zur Mündung in den Rhein bei Sinzig laufen wollen. Wegen des wilden Geländes steigt er schon mal ein paar Meter an, aber nie verlässt er wirklich die Ahr, wie es der AhrSteig tut.

Auf dem folgenden Wegstück, bestehend aus einem schieferdurchsetzten schmalen Pfad, der links wegen des steil abfallenden Hanges zur Ahr hin mit einem doppelten Drahtseil gesichert ist, frage ich mich, wie es wohl sein mag, wenn mir hier ein Mountainbiker begegnet? Denn diese lieben es, ihr abenteuerliches Geschick auf den engen und steilen Pfaden des AhrSteigs zu erproben. Zwar gilt grundsätzlich, dass der Stärkere (in diesem Fall der Mountainbiker) auf den Schwächeren Rücksicht nehmen sollte, aber was ist, wenn der Radfahrer steil bergab fährt? Dann wird es ihm schwerfallen, zu bremsen und auch noch auszuweichen. Folglich wird der Wanderer auch schon mal Rücksicht üben müssen.

Kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, ist die Situation auch schon da. Ein Mountainbiker kommt mir entgegen. Da ich gerade eine etwas breitere Stelle des Pfades passiere, bleibe ich stehen und lasse ihn durch. Er bedankt sich mit einem Nicken.

Und dann lockt wieder der AhrSteig

Und dann stehe ich plötzlich am Scheideweg! Geradeaus führt mit leichtem Auf und Ab der Ahrtalweg (hier schon auch als gefährlicher Bergpfad gekennzeichnet) weiter nach Dernau und von dort aus über Steinbergsmühle weiter nach Rech, meinem heutigen Übernachtungsziel.

Das wäre das einfachste, zumal ich ja heute schon einen Gipfel überschritten habe. Aber mein Zögern dauert keine fünf Sekunden. Ich kann es nicht lassen. Also biege ich links ab in den Berg. Der AhrSteig hat mich wieder.

Und der ist eine Herausforderung. In 19 Spitzkehren gilt es ca. 200 Höhenmeter auf eine Distanz von knapp anderthalb Kilometer zu überwinden. Ich bin überrascht, wie gut meine Knie mithalten, nachdem sie mich noch zwei Tage zuvor ziemlich alt aussehen ließen. Aber ich komme natürlich schon ins Schwitzen. Und ich sollte keineswegs denken, dass ich mit den 19 Spitzkehren den Anstieg gemeistert habe.

Nach der letzten Serpentine geht es weiter bergauf, allerdings ohne Kehren. Das fordert auch den letzten Rest an Kondition. Aber auch das ist irgendwann geschafft. Ich verzichte ich auf den kleinen Schlenker zum Alfred-Dahm-Turm. Stattdessen kürze ich ab und folge dem Pfad direkt Richtung Krausbergturm. Es sind wenig andere Wanderer unterwegs auf diesem Stück des AhrSteigs. Zwei Einzelkämpfer begegnen mir. Der eine auf halber Strecke zum Krausberg, der andere am Krausberg selbst.

Bänke, Stein, grün, Wegweiser, sonne

Die Sitze und Bänke, die sonst den Wanderern auf dem Krausberg zum Ausruhen und Picknicken dienen, habe ich heute ganz für mich alleine (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Sonst ist dort überhaupt niemand. Und das bei diesem wunderbaren Ausflugswetter! Hier lege ich eine verdiente Pause ein, bevor ich den Aussichtsturm besteige.

Turm, Fenster, Scharte, Weitblick

Beim Aufstieg im Turm bieten sich immer wieder ein anderer Ausblick (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Turm, Aufstieg, treppe, Scharte

Hier geht der Blick nach Osten (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Krausbergturm, Weite, Wald, Scharte, Fenster, Aussicht

Blick über die bewaldeten Hügel im Südwesten (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Welch ein Genuss, alleine hier oben zu stehen und den Ausblick zu genießen.

Weinberge, Fernsicht, Horizont,

Von der Aussichtsplattform des Krausbergturms schweift der Blick in alle Himmelsrichtungen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Abstieg durch die an Macchia erinnernde Vegetation aus Kiefern, niedrigwüchsigen Eichen, Flechten und Moosen auf der Südwestseite des Krausbergs erfordert wieder Konzentration. Auch hier ist der Grund rutschig. Gottseidank gibt der fast senkrecht anstehende Schiefer dem Fuß etwas Halt.

AhrSteig adé

Ich erreiche den alten AV1-Weg (ehemaliger AhrSteig-Verbindungsweg – aber das ist eine ganz andere Geschichte), der jetzt an der Hangschulter des Krausbergs entlang Richtung Westen führt. Noch bin ich auf der AhrSteig-Trasse. Aber oberhalb von Steinbergsmühle biegt diese dann talwärts ab. Ich laufe weiter geradeaus. Der Wald hält mich und meine Gedanken gefangen.

Ist es nicht so, dass in der Tiefenpsychologie der Wald ein Symbol für das Unbewusste ist? Im Gegensatz zum Keller oder der tiefen dunklen Höhle, die eher die unheimliche Komponente des Unterbewusstseins repräsentieren, ist der Wald aber das vegetative, lebendige Unbewusste, aus dem uns Kraft und Kreativität zuwächst.

Während ich auf den Gipfeln ganz Bewusstsein, ganz Triumph bin, holen mich im Wald dann immer wieder meine Gedanken ein. Sie fesseln mich so, dass ich oft gar nicht richtig die Umgebung mitbekomme. Es ist wie ein plötzliches Erwachen, wenn ich auf einmal sehe, wie schön es ringsum ist, wie warm das Sonnenlicht, durch das Blätterwerk gefiltert, die Atmosphäre verzaubert.

Weg, Wald, Mauern, Weinbergsmauern

Auch hier, wo heute Nadelholz oberhalb der alten Mauern steht, wurde früher Wein angebaut (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Von dem Punkt, wo mich der AhrSteig talwärts verlassen hat, sind es noch etwa zwei Kilometer,  bis der Weg  oberhalb von Rech aus dem Wald heraustritt. Die Weinbergsmauern am Wegesrand atmen Wärme aus.

Panorama, Rech, Dorf, Häuser, Brücke, Fluss, Ahr

Sobald ich aus dem Wald heraustrete, blicke ich auf das freundlich im Tal liegende Weindorf Rech (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Rech, ein kleiner hübscher Weinbauort, nimmt mich auf. Vorbei an der Kirche der hl. Lucia, dann noch über die Nepomuk-Brücke und ich habe mein heutiges Etappenziel erreicht.

Haus, Hotel, Weiß, sonne, Buchen

Meine Unterkunft nach dieser ausgedehnten Etappe: Das Hotel Appel (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Für Infos über Wandermöglichkeiten im Ahrtal, bitte hierhin wenden.

Infos über den Ahrsteig als Premiumwanderweg gibt es auf AhrSteig.de

Das Hotel, das mich nach dieser Wanderung gut aufgenommen hat: Haus Appel in Rech

Und falls Dich die AhrSteig-Etappe nun brennend interessiert, die ich hier teilweise mitgenommen habe, dann findest Du einen Bericht von mir, den ich ganz dieser Etappe gewidmet habe: AhrSteig: die Schönste 

Die Beschreibung der ersten beiden Tage unter dem Motto: Ahrtal erleben jenseits von AhrSteig und Rotweinwanderweg findest Du hier: Ahrtal erleben – Tag 1 und 2

 

 

 

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