Hunsrück, Rheinland-Pfalz, Saar-Hunsrück-Steig, Traumschleife
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Traumschleife Hahnenbachtal

Deutschlands schönster Wanderweg

Das muss der Ahrsteig sein? Aber nein! Am vergangenen ersten Oktoberwochenende – mit dem Tag der Deutschen Einheit – führte mich mein Weg in den Hunsrück. Um genau zu sein: ins dortige Hahnenbachtal, wo die Traumschleife Hahnenbachtal schon seit geraumer Zeit auf mich wartet. Nun bin ich ihrem Ruf gefolgt. Ich muss vorausschicken, dass ich im hier geboren bin.

Eigentlich wollte ich mit einer ganzen Gruppe von Kölner Wanderfreunden ein langes Wochenende im Hunsrück wandern gehen. Nie ist es hier schöner als im Oktober. Aber nach und nach haben alle abgesagt: Erkältet, Frau krank, Hund krank, keine Zeit usw., sodass ich einfach beschlossen habe, alleine zu wandern.

Erst vor ein paar Tagen bin ich im Internet auf die Info gestoßen, dass der Weg durch das Hahnenbachtal bei Bundenbach im Jahr 2012 zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt wurde. Ich weiß zwar nicht, wer da gekürt hat, aber diese Nachricht hat mich neugierig gemacht. Noch zwei, drei andere Touren standen urspünglich zur Wahl, es hing davon ab, wie lange das Wetter stabil bleiben würde, welche Tour ich zusätzlich noch einplane. Dazu muss man wissen: Das Wetter im Hunsrück ist wie die Menschen, die dort wohnen: Meist rau, aber irgendwie herzlich.

Als stiller Bach fließt der Hahnenbach unter den noch grünen Baumkronen dahin. Sonnenreflexe tanzen auf seiner Oberfläche

Wasser, Licht, ruhiges Fließen, Atmen: einfach sein. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Außer dass der Hunsrück meine Heimat ist, hat er noch einen zweiten großen Vorteil: Dort gibt es zwar nicht mehr das Hotel Mama, aber dafür noch immer die Pension Schwester. Sie ist im Gegensatz zu ihren großen Brüdern dem Hunsrück immer treu geblieben. Gerne nimmt sie mich  auf, wenn ich in meine alte Heimat kommen will.

Der Hunsrück hat viele versteckte Schönheiten, nicht alle werden von Wandertouren erschlossen. Gott sei Dank muss ich sagen. Denn es ist auch gut, einige versteckte Geheimnisse einfach als solche zu bewahren.

Das Bild zeigt meine Schwester während der Wanderung auf der Traumschleife Hahnenbachtal

Das ist sie, die beste Schwester der Welt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zu meiner großen Überraschung erklärt mir meine Schwester schon bei meiner Ankunft, dass sie mit mir mitwandern will. Die Schönheiten der Heimat erkunden an der Seite meiner Schwester! Da gibt es Zeit zum Quatschen, Zeit zum Schweigen, denn wir sind vertraut miteinander. Wir müssen nicht immer reden, um uns zu verstehen. Und da sie ganz in der Nähe der Traumschleife Hahnenbachtal wohnt, fiel schnell der Entschluss diese Tour gemeinsam zu laufen.

Nun bin ich zwar nicht unbedingt ein Freund von Traumschleifen, und was sich Touristiker und Marketingexperten noch so ausgedacht haben, um Wanderwege an den Mann zu bringen, aber Deutschlands schönsten Wanderweg in meiner Heimat, den muss ich einfach gesehen haben.

Blick auf die große Ruine der Schmidtburg von unterwegs

Immer wieder hat man von unterwegs Ausblicke auf die mächtige Anlage der Schmidtburg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich bin auch früher schon im Hahnenbachtal unterwegs gewesen, aber ich bin dann meist auf eigenen Pfaden gewandert. Seinerzeit bin ich einfach los, hab mich nicht um Markierungen und Auszeichnungen gekümmert. Das nicht, weil es mich nicht interessiert hätte, sondern weil es sie damals noch nicht gab.

Stille Schönheiten im Hahnenbachtal

Schon bei den ersten Touren hat mich das abgelegene Tal fasziniert. Und das nicht nur wegem dem Hahnenbach in seinem unbefestigten Verlauf, mit der mächtigen Anlage der Schmidtburg, mit den alten Ruinen, mit Wüstungen, mit alten aufgelassenen Schieferbergwerken, Schieferabraumhalden, Höhlen, Gruben und der alten Keltensiedlung,  sondern vor allem mit den stillen Pfaden abseits der offiziellen Wanderwege.

Vom Wanderweg auf der Traumschleife Hahnenbachtal schweift der Blick über Schieferhalden, Wald und sattes Grün – ein Feiertag für die Augen und für die Seele

Schieferhalden, Wald und sattes Grün – ein Feiertag für die Augen und für die Seele (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Also, auch ohne Deutschlands schönsten Wanderweg hat das Hahnenbachtal so viel zu bieten, dass man sich den ganzen Tag dort aufhalten kann, und alle paar Meter etwas Neues entdeckt.

Fast zugewachsene Wege, Gebüsch, blauer HImmel, ein Felsvorsprung, an dem der Blick hängenbleibt.

Ankommen, anschauen, verweilen: Das Hahnenbachtal umfängt mich mit seiner zauberhaften Stimmung (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nun aber endlich zum Wanderweg

Wir starten am Parkplatz des Besucherbergwerks Herrenberg. Am Parkplatz hat man die Wahl, in welcher Richtung man die Tour angehen will. Ich entscheide mich für die Variante, bei  der man erst gegen Ende zur Ruine der Schmidtburg kommt. Schnell geht es hinab im Buchenwald Richtung Talboden, aber bevor wir unten sind, macht der Weg einen Schwenk nach rechts wieder hinauf auf die Höhe. Ein wenig Auf und Ab, dann stehen wir am Eingang der alten Keltensiedlung, die Heimatforscher und Archäologen liebevoll rekonstruiert haben.

Burgmauern, Fenster, Mauerdurchbruch, und durch das ehemalige Fenster sieht man die Hütten der rekonstruierten Keltensiedlung.

Durch den Mauerdurchbruch fällt der Blick auf die rekonstruierte Keltensiedlung oberhalb des Hahnenbachtals (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mich langweilen solche Rekonstruktionen eher, weil man doch an allen Ecken und Enden sieht, dass es Rekonstruktionen sind. Meine Fantasie wird eher an anderen Orten angeregt, wie etwa auf dem Plateau des Aremberges (siehe dazu meine Wanderungen zum Berg der Berge – für alle Hunsrücker: Der Aremberg liegt in der Eifel).

Auf dem dortigen Plateau ist von der ehemaligen Anlage so gut wie gar nichts mehr zu erkennen. Verwerfungen im Gelände, ein paar Pflastersteine unter den Füßen, ein paar Mauerreste, das regt meine Fantasie zum Träumen an.

Ein Insektenhotel, darunter blauer Schiefer

Ein Insektenhotel (im Hunsrück ist jeder willkommen), darunter einee Mauer aus dem für die Gegend so typischen Schiefer (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wir lassen also die Keltensiedlung rechts liegen, es geht weiter in nördlicher Richtung, wo wir auf der offenen Hochfläche schnell den höchsten Punkt der Wanderung erreichen. Ab hier geht es dann wieder zügig in den Laubwald hinein und von nun ab etwas konsequenter Richtung Talboden.

Junger Wald, mitten darin ein mit herbstlichem Laub übersäter Pfad

Noch strotzt der Laubwald in sattem Grün – in wenigen Tagen ist auch hier der Herbst eingezogen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Störfaktoren gibt es auch im schönsten Wald

Und dieses Tal hat es in sich. Auwälder, Wiesen, Schieferhalden, alles lädt zum Verweilen, zum Auskundschaften ein. Im Laubwald geht es schließlich wieder bergauf zur Ruine Hellkirch, die auf einer Kuppe über dem Tal liegt. Als wir uns der Kuppe nähern, traue ich meinen Augen kaum: Hier mitten im Wald stehen vier oder fünf Quads – das sind jene Fahrzeuge, bei denen ich immer denke, dass die Fahrer gerne Motorrad fahren würden, sich aber nicht trauen, weil ein Motorrad ja nur zwei Räder hat und deshalb umfallen könnte.

Eine ganze Quad-Armada stört hier die Ruhe am Traumpfad. Mir kommt die Galle hoch. Die spätpubertären Fahrer (alles Männer so um die 50+) besetzen die Bank am Aussichtspunkt. Gut so, hier will ich sowieso nicht rasten. Aber diese Begegnung hat mich für eine ganze Weile beschäftigt. Fast hätte sie dazu geführt, dass ich dem Weg die Anerkennung als Deutschlands schönstem Wanderweg (2012) verweigert hätte.

Der Hahnenbach fließt als ruhiges Gewässer unter jungen grünen Bäumen dahin.

Wo Wasser ist, ist Deine Seele nicht weit (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wo Wasser ist, ist Deine Seele nicht weit.

Wir werden diesen Berufs-Jugendlichen später noch einmal begegnen. Aber die Schönheit der Landschaft hat mich schnell wieder eingefangen. Durch den Buchenwald geht es schnell wieder hinab zum Hahnenbach, vorbei an weiteren Schiefergruben und Stolleneingängen. Einer dieser Stollen, zwar direkt neben dem Weg gelegen, jedoch durch eine Felswand etwas verdeckt, führt richtig tief in den Berg hinein. Am Ende müsste ich gar etwas klettern, aber aus Rücksicht auf meine kleine Schwester …

Ein Fels, grünes Gesträuch, ein einladender Platz mit Verlockung zum Abenteuer.

Überall im Hahnenbachtal werden wir erinnert, dass wir uns im Rheinischen Schiefergebirge befinden (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nun geht es zügig Richtung Schmidtburg, eine riesige Anlage, die am heutigen Feiertag jede Menge Wanderer anzieht.

Kurz bevor wir diese aber erreichen, höre und sehe ich unten im Tal wieder meine Freunde auf vier Rädern. Sie sind gerade dabei, an einer Furt den Hahnenbach zu durchqueren. In umwelttechnischer Sicht ein doppeltes Verbrechen (nein, eigentlich ein dreifaches):

1)  Sie machen dabei einen Riesenlärm, weil die Fahrer meinen, mit Vollgas kämen sie besser durch den Bach (ein Idee, die ja oft im Leben in eine Sackgasse führt, aber einfach nicht auszumerzen ist),

2) weil sie dabei den Untergrund im Bach aufwühlen und

3) weil sie im Bach stecken bleiben und dabei sicher auch Öl und Dreck in das Bachwasser fließt.

Mauerreste, ein alter Brunnen und meine Schwester, die sich auf dem Brunnenrand ausruht.

Für einen kleinen Augenblick ist es mal ruhig in der Ruine der Schmidtburg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Eine Fernsehreportage und die unangenehmen Folgen

Die Schmidtburg ist mir zu voll, deshalb halten wir uns nicht allzu lange auf. Ein paar obligatorische Fotos (meine Schwester in den Ruinen der Schmidtburg, ich in den Ruinen der Burg) dann geht es wieder hinab ins Tal. Immer wieder begegnen uns auch Wanderer. Irgendwann schnappe ich Gesprächsfetzen auf, dass am vergangenen Sonntag im Fernsehen ein Bericht über die Traumschleife Hahnenbach zu sehen war. Deshalb also die vielen Leute, darunter auch die unermüdlichen Stöckchenschlepper.

Ein Bach, alte Baumstämme und Grasbulten, das Wasser reflektiert das Sonnenlicht.

Das Wasser, das Wasser, immer wieder zieht es mich an (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schnell haben wir am Forellenhof, einem sehr beliebten Ausflugslokal (was ich beim Anblick der Architektur nicht unbedingt nachvollziehen kann – aber der Hunsrücker ist da nicht so anspruchsvoll) den südlichsten Zipfel des Wanderweges erreicht. Auf dem Parkplatz und an den Zufahrtswegen zum Forellenhof stehen fast hundert Autos. Da kann man mal sehen, was ein Fernsehbericht anrichten kann.

Unmittelbar neben dem Forellenhof liegt ein riesiger – ja, richtig geraten – Angelteich. Ich gehe mal davon aus, dass, wer will, sich seine Forelle hier selbst fangen kann, die dann im Restaurant frisch zubereitet wird. Eine Besucherin macht davon Gebrauch (die moderne Instantvariante von: Freiheit und Abenteuer).

Wieder der ruhig und gemächlich dahinfließende Hahnenbach, der zum Ausruhen und Veweilen einlädt.

Trubel und Ruhe liegen heute nah beieinander. Kurz hinter dem Forellenhof erreichen wir dieses idyllische Plätzchen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Vom Forellenhof geht es nun wieder mal durch hohen Buchenwald in nördlicher Richtung auf unseren Ausgangspunkt zu. Doch noch wartet ein weiteres, einmaliges Abenteuer auf uns. Auf halber Strecke führt der Pfad durch zwei kurze Tunnel.

Im ersten der beiden huscht plötzlich ein rattengroßes dunkles Etwas zwischen den Schieferfelsen hin und her und ist ebenso plötzlich verschwunden. Mitten im Fels. Trotz intensiver Suche (sogar mit Taschenlampe) können wir kein Versteck, keine Höhle, keine Spalte entdecken, in die das Tier verschwunden sein könnte.

Meine Schwester ist sich sicher: Das war ein Dilldapp, die sind noch seltener als Yetis oder Bigfoots und wurden bislang noch nie fotografiert. Was meine Schwester so sicher macht, ist das plötzliche spurlose Verschwinden dieses Tieres, das können nur Dilldappen, eine Ratte oder ein Igel ist dazu nicht in der Lage. Um ehrlich zu sein: Das Tier war so schnell verschwunden, dass ich es überhaupt nicht zu Gesicht bekam.

Felsnische, Grotte, Heiligenfigur der heiligen Barbara

Die gute Barbara hat heute nicht mehr viel zu wachen – die Schieferbergwerke im Hunsrück sind alle stillgelegt, fungieren allenfalls noch als Schaubergwerk (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nun nur noch zwei, drei Abzweigungen, am Ende noch einmal ein etwas steilerer Anstieg, dann stehen wir wieder am Parkplatz. Hier stelle ich fest, dass ich vergessen habe, das Auto abzuschließen, aber es steht immer noch da. Auch das spricht für den gradlinigen Charakter der Hunsrücker.

Den bei mir schon zwanghaften Belohnungs-Kaffee und -Kuchen gibt es nicht im Forellenhof und auch sonst nicht in der Nähe der Wanderroute, auch nicht in der Zehntscheune im historischen Ortskern von Herrstein (die ist wegen der kürzlich eröffneten Mittelalterpfades völlig überlaufen).

Schließlich finden wir in Langweiler im Hotel Marienhöh einen Platz. Ein wunderbares, wenn auch nicht ganz billiges Ambiente in einem ehemaligen Kloster (auf der Herrentoilette blicken Nonnen von den Wänden auf den Mann, der mal muss!?). Das Personal ist äußerst freundlich und geschult und folgt wohl der Anweisung: Bloß keine Hektik verbreiten. Ein angenehmer Abschluss für diese wunderbare Tour.

Gesamtwertung: Für meine Schwester und ihr Durchhaltevermögen: 10 Punkte. Für den Hunsrück und seine Bewohner: 10 Punkte. Für den schönsten Wanderweg Deutschlands: 10 Punkte (obwohl ich wegen der Quadfahrer gerne einen Punkt abziehen möchte, aber das wäre gegenüber der landschaftlichen Vielfalt, der Schönheit der Natur, den zahlreichen Attraktionen einfach ungerecht.)

Websites mit Infos zur Traumschleife Hahnenbachtal gibt es viele, deshalb nenne ich hier nur eine: saar-hunsrueck-steig.de/traumschleifen/hahnenbachtaltour

Und wer sich von dem erholsamen Ambiente des Hotels Marienhöh bezaubern lassen will, findet Infos dazu hier: www.dasmarienhoeh.de 

 

6 Kommentare

  1. Du schreibst, dass du nicht weißt, von wem der Wanderweg gekürt wurde. Das Wandermagazin kürt mit Hilfe von Leservoten einmal im Jahr Deutschlands schönsten Wanderweg, sowohl Rundtouren als auch Streckenwege. Das Votum geschieht im Internet oder per Briefwahl, nominiert sind Wege, die von Lesern oder Touristikbüros vorgeschlagen werden. Wählen kann man von Januar bis ca. April, die Gewinnverleihung ist auf der Messe TourNatur am ersten Septemberwochenende in Düsseldorf.
    War die Traumschleife Mittelalterpfad nicht auch mal auf dem Gewinnertreppchen? Die will ich jedenfalls auch schon des Längeren laufen.
    Ich persönlich liebe die Traumschleifen: wunderschöne Wege zu besonderen Orten und perfekt ausgeschildert, garantiert entspanntes Wandern.

  2. Pingback: Tag 1 der Pressereise Outdoor und Abenteuer im Hunsrück – Anders Wandern

    • Von Joachim zu Joachim: Danke für die Zustimmung. Aber wozu eigentlich? Bingerwald? Deutschlands schönster Wanderweg im Bingerwald? Letzten Herbst bin ich mal bei Guldental gewandert, die Tour habe ich hier aber noch nicht beschrieben! Kannst Du in die Zukunft schauen? Fragen über Fragen. Vielleicht hilfst Du mir bei der Aufklärung. Oder Du sagst mir, welchen Weg Du meinst. Liebe Grüße, Joachim

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