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This is the end – Wandern auf
dem Kölnpfad

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Widerstrebende Symbolik (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Kölnpfad adé – Wandern diesmal ohne Fasten

Weil Karneval ist, und weil Frau E. gerade Karneval feiert, kann ich mich dem Kölnpfad widmen. Denk ich. Ich also heute morgen in die Bahn, zum Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn nach Worringen, in Nullkommanix. Echt. Und das alles für 2,80 Euro. Ich wusste gar nicht, dass die KVB so billig sein kann.

In Worringen – besser gesagt in Roggendorf-Thenhoven – geht es los. Hier startet die offizielle 4. Etappe des Kölnpfades: Von Roggendorf-Thenhoven durch den Worringer Bruch und dann am Rhein entlang nach Merkenich. Zum Thema »am Rhein entlang« hab ich noch was zu sagen, aber das kommt später.

Als ich aus dem Bahnhof komme, laufe ich erstmal rum wie ein blindes Huhn. Keine Markierung, kein großes Schild »Da geht’s lang«. Also heißt es suchen. Nach links geht es in Richtung einer großen Kreuzung. Kein Hinweis, nix. Also zurück und nach rechts, und tatsächlich am Parkplatz an einem Baum dann der weiße Kreis auf schwarzem Grund. Darunter ein Pfeil. Aber wo weist der hin. Nach links? Geradeaus weiter? Ich entscheide mich für letzteres. Hab ja mittlerweile so meine Erfahrung mit der Markierung. Dann lange wieder nix. Ich werde unsicher. Aber die Füße laufen weiter geradeaus, ich also mit.

Ein Acker, Dunst über dem Grün, ein Waldrand

Früh am Morgen –was such ich eigentlich hier draußen? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Tatsächlich, nach einer Zeit geht es über die Straße, dort an einer Info-Tafel über den Worringer Bruch wieder das Zeichen. Es geht sofort in ein unaufgeräumtes Waldgebiet, sieht etwas chaotisch aus. Wenn das Frau E. sehen würde. Hinter den Bäumen kleine und größere Tümpel, sprich Feuchtbiotope. Das Geschrei von Gänsen und anderem Getier ist nicht zu überhören.

Grüner Acker, Gänse, Morgenstimmung

Is there anybody out there, außer den Gänsen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Wald ist bald durch, jetzt geht es rechts, immer am Waldrand lang. Links von mir ausgedehnte Ackerflächen. Auch hier Gänse. Eine Gans sitzt oben im Geäst eines Baumes. Hab ich noch nie gesehen. Wirklich, ich wusste nicht, dass die das können. Wenn Frau E. das wüsste.

Trotz des frühen Karnevalstages sind auch schon einige Hunde unterwegs, die Herrchen an der Leine brav hinterher. Ist nicht besonders spannend, aber die Sonne scheint. Nach gefühlten zwei Stunden stehe ich an der Neusser Landstraße, gleich um die Ecke die Alte Neusser Landstraße. Hier möchte ich nicht Briefträger sein. Aber zum Glück gibt es auch kaum Häuser. Bis auf eins, das ist aber sehr bewohnt. Zumindest der Anzahl der Autos nach, die davor stehen.

Kahle Pappeln, blauer Himmel

Die Sonne steigt höher, aber es immer noch verdammt kalt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ein Stück an der Straße entlang, dann nach links durch die Felder auf einen Damm zu und schon steh ich am Rheinufer. Ne, doch nicht, der Rhein ist noch gute 200 Meter weg. Aber die Markierung sagt, dass der Kölnpfad jetzt auf dem Damm bleibt. Nicht mit mir – das geht ja gar nicht. Sobald es möglich ist, verlasse ich den Fahrrad- und Fußgängerdamm Richtung Rhein. Fast unmittelbar am Rheinufer verläuft ein Wiesenweg. Also: Schade, aber Kölnpfad ist heute nicht länger angesagt.

Straßenschild am Wanderweg: Richtung Köln noch 17 km

Mit dem Fahrrad noch 17 km bis Köln-Zentrum – zu Fuß ist das sicher doppelt so weit. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich lauf lieber am Rhein entlang. Ist auch besser für die Füße. Zumindest am Anfang. An Langel vorbei, die Fähre reizt mich. Wieso eigentlich? Ich würd ja vielleicht gern am anderen Rheinufer entlanglaufen. Aber irgendwie krieg ich den inneren Schalter nicht umgelegt. Also stur weiter am Rhein entlang.

Ich lass Langel hinter mir, lass Rheinkassel und Kasselberg links bzw. rechts liegen. Es geht Richtung Merkenich. Immer noch am Rhein lang. Zum Teil direkt auf dem Uferkies. Und immer wieder Hunde. Quasi den letzten aller möglichen Kandidaten, der mir entgegenkommt, frage ich, ob ich bis nach Köln rein am Rheinufer bleiben kann. Als hätte ich es geahnt. Geht nämlich gar nicht, sondern gleich da vorne muss ich rechts, weil vor mir der Ölhafen liegt und da müsst ich schwimmen. Kann ich nicht, will ich auch nicht. Also geht es auf einem Trampelpfad durch den Wald zur Rechten (wieder unaufgeräumt), nach Merkenich hinein.

Chaotisches Gestrüpp säumt den Kölnpfad nicht weit vom Rheinufer

Hat denn hier keiner Zeit mal ein bisschen aufzuräumen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dann nach links, ojeh. Kilometer für Kilometer geht es jetzt durch die Ford-Werke hindurch. Is nicht schön. Deshalb gibt es davon hier auch keine Fotos. Oder wie mein Freund Willi sagen würde: Woanders ist ja auch sch… (nein, nicht »schön« ist gemeint)! Endlich gibt es die Möglichkeit, wieder nach links zum Rheinufer zu gelangen. Mittlerweile bin ich schon längst in Niehl. Ich wusste gar nicht, wie viel Platz die Ford-Werke brauchen. Wenn die mal wegziehen, Mannomann. Was machen die dann mit dem ganzen Platz? Oder lassen die das dann alles stehen?

kleines Backsteinhaus mitten auf der Kreuzung. Funktion unbekannt.

Gibt’s bei Aldi nicht zu kaufen, erinnert nämlich ganz entfernt an eine Moschee! Falls das jemand nicht versteht, einfach bei mir nachfragen! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wieder am Rheinufer, aber immer noch Industriegebiet. Ich komme mir vor, wie früher im Urlaub. Als ich noch jung war – als ich durch Süditalien getrampt bin. Wenn mich der Mensch, der mich ein Stück mitgenommen hatte, irgendwo im Niemandsland rausgeworfen hat. Plötzlich fühl ich mich wohl. Setz mich auf die Hafenmauer, genieße die Sonne – ist ja wie Urlaub. Ist ja doch schön hier.

Straßenschild vor einer Backsteinmauer.

Achtung, oder wie Frau E. sagen würde: Opjepass! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nur die Beine erholen sich nicht. Sind immer noch schwer. Nach der steilen Tour vorgestern zum Steinerberg hätte ich mir doch was Erholung gönnen sollen. Die Füße tun weh, Blasen an den Zehen. Ich muss an Frau E. denken. Die hat es auch mit den Füßen. Immer noch – und zwar richtig. Da geht’s mir eigentlich richtig gut. Also nicht jammern, tut Frau E. auch nicht, also weiter. Nun noch über eine elegante Brücke über die Einfahrt zum Niehler Hafenbecken hinweg. Und weiter am Rhein lang, immer weiter, jetzt nur noch Kilometer fressen, nur noch ganz wenig Blick für die Landschaft. Nix anders wandern, nix Bilder für die Seele. Ich will nur noch ankommen.

Blick über den Rhein im Vordergrund, dahinter Industrieanlagen

Erinnert mich irgendwie an Süditalien, ist fast so schön wie Urlaub (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich erreiche Riehl, das Schwimmbad hat noch geschlossen. Weiter am Rhein entlang. Jetzt immer mehr Menschen mit bunten Kostümen und glänzenden Augen. Die kommen vom Zoch (Schul- und Veedelszüge). Ich bin von der Rolle – allmählich. Bin froh, als ich den Bahnhof erreiche. Der Entfernungsmesser zeigt knappe 26 Kilometer. Dabei sollten es heute 30 werden. Wären es auch geworden, wenn ich vom Bahnhof aus weitergelaufen wäre. Wollt ich aber nicht mehr. In dem Zustand sind mir Rekorde egal. Klappe zu, Affe tot. Also ab in die Bahn und ab nach Hause.

Für alle, die sich für den Kölnpfad interessieren: Hier findet ihr die Details zu den Etappen.

Das Buch des Bachem-Verlages zum Kölnpfad gibt es hier: https://bachem.de/verlag/325

Nein, ich krieg kein Geld dafür, das Buch hier zu bewerben!

Dass auch andere Menschen auf dem Kölnpfad wandern, beweisen die Berichte von Sarah von Miezenstories: Wandern 2.0 Kölnpfad-mit-den-Mädels-und-mit-Selfiestick/

Einer, der den Kölnpfad schon (fast) komplett gelaufen ist, ist Nick Wassong von Nicks Outdoorblog. Unter anderem ist er auch die von mir hier beschriebene Etappe 1 gelaufen, allerdings in der richtigen Richtung (vielleicht lag’s daran!) Seinen Bericht findest Du hier:

Kölnpfad – Etappe 1: Rodenkirchen nach Klettenberg